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Full text of "Der Wille zum Schlaf! Altes und Neues über Schlaf und Schlaflosigkeit. Ein Vortrag."

J^'^'iüSL.y??: J- F, BgEGMAKlT m Wiabai«. 



Die Sprache des Traumes. 

Eine DarKtallmg der 3rMib»Uk wi Deatmg its Träamoi 
in ihm Seaieliiui$4B aar kranken ind gesindeii Sede 

für Ärzte und FsTChoIogen 

YOQ TiT, urilhf^lui ?itgk«l, 

äpHularct flr FsftiaobberApi« jndi Ncivtnieid^D in Witn. 
Preit Jft. 13,eü, ge!>. Mk, li,^. 

In an[ii4ai BiKitLti 'Die üprAchi ilm Praui^ea« bringt Etalc«! jtuiEitbrtii^li aIIw 

BBJ3iar)(tiQH*«rta tta«- «tu v^vs^d udl dia Uautmi;; <j« Iraioief. Lbm kommt q 

Irt wA««i!tlicliBl ■larmif ir^, ili* S/üboli t jIo* Tnmnws tu «rfrlnd«» UD(t Et »i^n, 
dut lu jirluiltire L.'«j1i»u jri]jrclu^Lick BviiiliT;tiic;li 'gtifv^u bdi, [u; Triuiiw B(JJQtwi 

bäupt^Achlifth ZV« Fatt^nn Biia llkcrwLe^gn<^e IlalJe- üi^t RrutiscIiQ ur.tj du 
Kriniia^LI», «t» dM» KUin Htbt^J aAB<4a tH:in: d«r it'li^i*)'^ 1i^«rl>r«cli«r in Uiia ^aht 
•iuL jin l^H Lim Ulla, d^ull «x !ft«lit (]M KriniijulU rjiql, t^t^t« 411 [)il)D4l« dm äeiUtllBD, 

Ule iobtf^e daaTraum«^ ihli^s toh itr D^utuai; d«r einzelnen TnEinieliDiii^qte tti^ 

^ah»n, Holsi 4«. assh Freud 7n'«i fd Hiafc iit, o\ cIae TriumeU raea t : a) im puaiÜTen 

odn.- Dv^atlTen Sigw ge'vitnnHn nür^lea tiV. (ä«^aiiTHbsrBla'4uD; ; bj iiüaüwriicli zu 
dwbAn. ist {sAfi. ä-sminlitiafl^l ; c) Ayjuhaii^ oder iib c) aaiat) Vfltwi^'rtun; mm Wnrt- 

laut AungBliDa B{<1], i,u la: 3frai tou & Ji TrAamän, d!« □ligohaiiJ mh^ierl] im-l 

14 tia besiiiDiLt^s Sjijtcm dug^fliotleit wurlen, lüirc uoa .Stükal in dici& G^ttHAt 
BiD. Er tti\gi dirt Bftdäutjrs' dA.r lVijinait!itt<lluu^. d^r Uft^Fn Im Tfaum«', l£P 

aj'iubolit. Ziiiu Schluia« bt^chri^bi er dlä Ttatlinik ilec TrauiiLil«ul;uDf> iidem er 

diD Chili f tnatt Pijr.hcunA,!/!* fArniSi'l:. j^t'ilJ^r'nZn^aJlt /.ii* Pty<itfoJ4^j'^. 

Die Träume der DicKter. 

Eine terdeickende ünters»kimK der utewnssten Trieb- 
kräite bai Dicktern, Nenrotikarn und Verlreckern. 

(BauatolDo aur Psj'chologve d<^ KilnäÜ^ra und d$e K!jiLatur«rk«8 ) 
vttTi Dr. Wilhelm ^ttikel ia 'Wiea. 

ii;«kel ir«bt nuti d^r iQr dei «r^tea Aui^äatctieiarerbJllfffB« 
d«a Vtrbindijnfr! Xeur»sg — V«rt>r-«rK»i — ^Diethtiing in -oft: au* 
b«iLt1ii;lL«ii Tioffü ü**!), &fii.i» SJethada Utj d*b^ <li« o-rt^s njit dunh> 

äriutföndeni Glklf bdeitttn ^bors, was ibtUrJicli s«iTie IJaiBtelluDf^ FDr den U^ir 

dost» Kuslthuni)«'' ivasfat. Er dlrK«, um ^L« '>b«e Arfriliüieo Z'jHmmonLflrii^ la 

«rgTDDdBD, Ji letal in dir Oli«rflaiC'li9 ülsr £iii;liHLiFLiiigBii ':i1vib«], wifiiiirD. mi^Hte ia 
di4 RotfLan^n. 4ir uiibe wuisl; trsibsDltt KrUTta 1 «t Mauset) an^ 

BBtlft hiDlbstoi^lin, teil ScblQäa^V an (iieäfn üs^itr.^n l[it»wa aber d[a Tr&aziA, 

Cnncb S'lns RLDlflia^ Terechaft« »Icti 0er AiUtur ein nuicke« Uiterift'. run TrAiimna 
KölilbQltBmiUr Dichwr nsd SfltriffetftHer, weici» «Ihin «h™ hmwiflioa wOrtJ*, 

an dem »■>rli^f*n'J-«n CutK im PuhlifeuGi ^roaa^i Interenü« EU pow innen 



r-.- - ■ ju ^/Yj^iil/j Original from 

Cigilized by ^.lUügK ^N VmrYOF CALIFORNIA 



Der Wille zum Schlaf! 



Altes und Neues über Schlaf und Schlaflosigkert 



Ein Vortrag 



vdi 



Dr. Wilhelm Stekel 

in Wicti 



Di-chtiCT sein, hciü&t ias Wunder \i\ A\\\nj[ 
fehcn. der PhilciDph findet die Rälsel iiti 

Wundcf im MslPrtichtn ant. 



W fesbade rr 

Verlag von J. F, Bergirann 
1Q1S 



, . ~ "■ Or g j'n ; I f nom 

'^'S'"'' UNIVEFSirVO= CALIFORNIA 



7 






Alle [fechte vorh Ehalten. 



Druck vnr. CatI RiMfr, O' nv li H, in Wietb^dfn. 



_ .. j^ /"^mni,!,, Originalfnom 

D g4i2e<i by ^:.UU^lL UNI VQ^Sir OF CALIFCRNI/ 



An eiii«ii schönen Wintertage wanderten ein Dichler, 
eia Philosoph, ein Naturfor scher und ein F^iheter durch 
den Wiener Wald. Es war ein köstlicher sonnig^ci Feiertag. 
Sa weit das \Agt blichte, sah man nur bluten weissen Schnee. 
Die ßäuiue blanden da in ihrer leineii Prac[il, als halle sie 
der Sornta^' bdni fiimmlisthen Zuckerbäcker besteht. 

„Wäre ich nur in Wien gel>lieben!" . . . dachte der 
I^hili.sitpr. „Wft/ij b:ri irh mitgegangen? Man kann auch 
ohne Au$t;iüge leben. . , , Ich würde jetzt im KaHeehause 
setzen und hatte schon drei Leitart ikf^l gelesen. . . ." 

„Seht nur Freunde'* — sprach der Dichter — ,,die 
Natjr hat heute einen Festlag. Sic hat ihren Tisch mit 
eiiian reinen Linnen uhcrdetkt, an dem kein Stäubchen 
haftet, kh muss da immer an die rdtrt(i}J^ in mein» 
Heimat denken. All öle wunderbaren Leckereien, Torleti, 
Kuchm, Roten, alles, won^rh wir fCindJer gierig waren, 
wiirdien mit einem weissen luclie überdeckt Am Attend 
erst zog Mutter das Linnen weg und wir konnten uns der 
Schätze freuen, $ü hält Natur ihre Wundergaben jetzt 
unter der kristallenen Schneedecke. Da unten tief in der 
Erde ruhen sie und scb[unim2m, die unzähligEn Keime, 
die dann als ßlüten, aU Dlunien, als Schmetterlinge und 
Käfer den gfanzen Reichtum dtr Natur ausmachen. Es 
sind lauter Wunder, Tief in der Erde schlafen die Tiere, 
der Igel, der Manlwiirf, drr f)flrhfl, lier Här und warten, 
bis der Frühtinp sie zu neuern Leben ruft, , . . Dann zieht 
Mutter Sonne das weisse Linnen weg und wir törichten 



-.1-^ Crioinal from 



U^l^fEnSITVOrCALirORM^ 



Kinder der Welt können uns der prangendea Farben und 

des suiujT]«ndeQ, schwinenden, jagenden Lebens freu&Ji " 

„Wärt idi nur zu Hauiäc jljebliLbwi" — dadite der 
Philistt^. „Nuii [ruiL:ht er nodi Ot;diL:hk. ... Idi hätte 
jetzt den Leilaitikel von der ,Ncu£u freien Presse' ge- 
leseji. . . ," 

i„[labi ilu audi beüacld" — aa^te der Pliilosopli, 
„dass dieser Wititerschlaf der Tiere ein, plastisches Symbol 
iür die Verwandtschaft von SchUE und Tod ist? — Der 
Olaubc an die Auferstehung, an einer Seelen wanderuag^ 
an ein Fortleben nach dem Tode stammt aichcr aus dieser 
Beobachtung^ des Winterschlafes, I>er Tod ist auch nur 
eine Art von Winterschlaf. Eteaht dcch an die herrlichen 
Worte von Schüler: 

Nücti i(öst^ichcr(^n Somen bergen 
Wir trauerad lit <ier Erde Schosfi 
Urid hoüen, daae L^r aus den Särgen 
Erblüli«ti soU 2U £ch5aertn Los. 
Wie wunderbar sagt dieser VergL'ich „Särge und Samen '*, 
da;3£ der Schlaf nur ein vorübergehendes Sterben ist, dass 
der Tod nur der Anfang einer nei]«n Existenz i»t! ht 
das Tier im Winterschlaf flicht eine halt« Leiche?" 

„Wie tonnt ihr die Dingte so ansehn?" sprach der 
MatiJTirorischpr, „l>enkt an eine Auerlampe. Seht ihr, 
wenn ihr einen Kieinsteller tjrennen lasst, so verbraucht 
ihf in einem läge kaum so viel (las, wip sonst m einer 
Viertelstunde Die Tiere im Winterschlaf sind Organismen, 
die ihren Verbrenn ungsprn?.«»! — denn das Lehen ist ja 
nur ein Verbrennungsprozess — so reduziert haben, dass 
sie den Winter hindurch leicht auskommen. Das Herz 
treibt das Bli^t nur ganz trägfc und langsam durch die 
Gefäsäc, die Atmungr ist nur ein unmerkliches tiaichea, 
Es ist keil Wunder und Mn Räisel E& ist natürlich,* 



>o^l 



Origina fnom 

^ UNIVLRSITYOFttUFORNIA 



5 



„Wozu bin ich mitgegangen?'' dachte der Philister. 
j^Ein Ffiiiilleton in der Zeitung ist mir hebtr. . , ." 

„Wie liebe ich die Märchen ..." begeisterte sich der 
Dichter, ,jin deiieii uiis die Miitlei von den Wtiinleiji 
des ScttLüfes erzählte. Jdi sehe Durnröschen vor mir in 
liuiiderljährigetr Si;h]die von einer Dornenhecke umgeben, 
von der bösen Hexe verzaubert, ich bewundere das 
reizende rolwangtge Kind, das der tapfere Prinz mit einem 
Kusse iii neuem Leben erweckt. Ich denke ao Brünhilde 
auJ dem Feuerfelaen, die Jtmg'SiegfTfwl aiiR deiti /nuhfr- 
schlaf zur 1 lehe ruit. Ich ^ntinere mich an cen Mfinrh 
von J-ieisterbach, der in den Zaubenvaid ging, dort fiir 
eine Stmide eiaschlii^f und träunite, A1& er erwachte, 
waren JiiindeH Jahre verßangen und die Menschen kannten 
itn nicht mehr. , , . Mir echwdbt Kaiser Rotbart vor^ 
der jm Kyffhaueer oder im Untereberg bei Salzburg 
achllft, Der graue ßicsoibart ist dreifach um den Tisch 
gewunden. Alle sieben Jahre erwacht er und sendet de« 
Knaben zu schauen, ob die Kaben noch um den Berg 
Hiegen. W«tiu ei erwadiL, wixd daii[i das lidli^e deutsche 
Rdcli wiedei tjsldien und Deulschlaiid zu neutr Grösse 
erblühen," 

Hier Sei der Philcsoph ein: „Versteht ihr denn nicht, 
dass dies nur ein Sinnbild der grossen schlumineniden 
deutschen Kmlt ist? Sagt diese Sage nicht, dass in dem 
deTitachen Volke im Reiche und in Osterreich (worauf 
der Sabbiirger Untersberg deutet) wunderbare Kräfte 
ficMumaiem, die, wenn sie geweckt werden, die ganze 
Welt in Erstaunen setzen? Hat uns die grosse Zeit, in 
der wir leben, nicht Ql?*rzeugt. dass Friedrich Barbarossa 
dcE Fahnen der Deutschen voranreitet und dass Jung Sieg- 
fried das Wäiaungenschwert zum vernichtenden Streiche 
hebt?" 



Diqitzed bv k.,OOijlt uNiVEnsiKoraurümift 



,Was ist ein Märchwi ?** sagte der PhLÜster. „Es gibt 
(kbdi keine Menschen, die Eiundert Jahre schlafen ! Nicht 
firtmal 7fhn Jahre kcnnwi sie schlaieti. . , .** Und selbat- 
verstindJicti dachte er: ,,Wäre \ch nur 7i( Haiisi^ gif!hli(t>erT 
Jetzt hätte ich schoti die reicJisdei;tscher Blätter gBlesen." 

,,Nat[ir]icH gibt es iVlenschen, die zehn Jahre 
schlafen. . . . Und noch länger" — warf der Natur- 
füracher dn. 

Sie waieii geiade « — vriv ts zu jt^deui yitJeutlJLiheff 
Ausflug« gehÖn — iu em Wiiblmu;» gekuuiTiieii. Es war 
ganz leer, Nur im einer Ecfee las ein sHer Föister die 
jjVoIkgzeltung ' und rauciik in bchag^.khen Zügen seine 
groaae Pfeife. 

„Wenn es euch recfit ist," sagte der Naturforscher, 
„will ich euch die Geschichte von Karol ine Olleon erzählen, 
dem Mädchen, das 3ä Jahre geschlafen iiat," 

Sie rückten zusammeit und der Nacuriorscher begann : 



„Die merkwijrdige Geschidite dieses Mädchens wird 
uns von Harald Fredenström in der Nouvelle Icono- 
graphie de la Salpetrifere, 25. Band 1912, erzählt. Es 
tianddt sich um tfin Madcht^n, das nicht wt^ii^cr ais 
32 Jahre gescIilaEen hat. Dieser sonderbarer Fall, der 
gaiii ächwolHL in AuJitguiig liathte, ei eignete ;>it]i in 
eliieiii kleinen Fleckeji Oknö an der Kiste Schwedens. 

1861 geboren, kam Karoline Ollson 1&75 (etwa im 
Alter vctii 14 Jahren) einmal nach t lause, klagte üljcr 
Zahnaehmerzcn und legte aich zu Bette. Sie 3ol]te dieses 
Bett erat nach 32 Jahren, im Jahre 1908. verfassen! Sie 
schlief ein, wachte nur zeitweilig auf, £chlief 32 Jafire^ 
icotinte &ich hie und da verständigen und soll die ganze 
Zeit über nur sehr wenig Worte ifcsproctien haben. — 



, . ~ "■ Or g[n;l fnom 

'^'S;'"'' UNI VEFS 17 Y0= CALIFORNIA 



Sie wuid? täglich nur mit 2 Ciasem Milcb g:eriahrt 
jnd jfire Stoffwechsel funktionell sollen aitf ein so geringes 
Maß reduziert gewesen sein, dass Brüd&r und Vater allen 
Ernstes tiehaupfetfli, es hätte hei ihr dwas rif^r^iiliges 
überhaupt nicht gegebm. Oenauwe NactitörRthirngfii afwr 
zeigten, dass es sich da um lä Lisch Lijig;«rt hmddt»; aber 
immerhin ntusä :zugii^eben werden, dass diese Funktionen 
(Stuhl und Urin) aui daj aus»erS;1e beschränkt waren. 
Manchmal rief man einen Ai^c, weklner die Ache^^in z^uckte 
und nicht heifer konnte. Sie kam auch in ein Sptt^I; man 
^ntU^s £ie nach 15 Ta^en, n^^chdem man die Ktatikheit 
als „Hysterie" erklärt hatte. Der Vater l>eliauptete, er 
liatte sie drei- oder viermal währ&nd dieser 32 Jahre am 
FuMbodcn kiicchcn sehen und vor 20 Jafircn hätte sie 
einmal in seiner CegenwÄrt auagcruFen: ,,Lii;btr Jesus, 
erbarme Dich meiner!" 

Die Muher pflegte &ie mit rührender Aufmerksamkeit, 
slarb aber im Jahre 19(>5. Der Tod der Mutter mactite 
Huf uie einigen Eindruck. Denn als ihr Vattr ihr die 
traurige Tatsache mitleille, fing sie £u wemea an und 
weinte, solsoge die Tote im Z imitier war, Dann wurde 
Sie wieder still und schlief w&iter, 

Nach dem Tode der Mutter liara &:ne Art von Gouver- 
nante ins Maus, weiche offenbar den hysterischen Launen 
der Kranken viel weniger nachgab; denn es besteht 
dringender Verdacht, dass KaroUie sich in Abwesenheit 
der Mütter *rhöl)*n und in der Küche reichlich genährt 
hatt«. Die GouvBmaLite schien die Vorräte besser zu ver- 
wahren und Karoline hungerle. Man versteht es viel- 
leicht, dass sie ein Motiv hatte^ um im April 1003 plötzlich 
aufzustehen und das g;ew5hn liehe Leben aufzunehmen, als 
wenn diese 32 Jahre ein einziger Tag und eine einzige 
Kaeht gewesen wäre. 



EiQitiiedby IjOOgk u^j vmrVOF CALIFORNIA 



- 8 — 

Alfi die Goiivpmantft an tWfsem Ifritischtti läge ins 
Zimmer trat fand sie Karoline am hussboden kriechen 
und weioen. Sie war erstaunt und belalrl ihr — vielleicht 
ttwas streae:€r als gewolinlictr ~ sich niederzulegen. 
Karoline tat es, fra^le aijer immer weinend; ,,Wo ist 
Mama?*' " Als die Bruder iiacfi Mause bahnen, erkannte 
sie sie niclit und sa^te; „Das sind nicht meine Brüder, 
denn sie waren so klein !" Sie war sehr abe:etnageit, ihre 
Haut zejgie eine durchsichtige Blasse, wie bei einem 
Menschen, der vor Hunger stirbt, wahrend sie vorher 
nodi verJiälliJLHiiiiiRiiJ ^ut aiiöj^twidiej] liattt. — Aber von 
üiesau ra;^e am tt^^^aun 'ük am L^üeii ttikuut:h[nt;rL, ver- 
wehrte mit sehr gutcDi Appetit ihre NabruDg und at$ 
einer ihrer ehemaligen ^cliulkollegen eintrat, konnte sie 
btreits Eiiessend lesen, s|jräch mit iiun über die Vergangen- 
heit, und weitere 15 Tage später erhob sie sich und nahm 
an häuslichen Arbeiten teil, obgleich ihre Bewegungen 
im Anfang noch etw^a ungcachicicf waren. Sic sprach nie 
über die Vergangenheit. Ea war, als wenn ein dichter 
Schleier über dieser ganzen Zeit liegen würde. 

Das Oerüchl: \oti dem Wunder, dass die 32 jährigt 
Schläfer in, erwacht wäre, verbreitete sich über die giinze 
Küste und üshllose Neugierige kamen nachOknö, um dieses 
Miralfel £u ceh«n. Leider besitzen wir ke:ne Analyse, 
welche uns beweist, was in der Seele dieser Träumerin die 
gaiizü Zeit vorgegangign ist, 

Doldor Toedenstrom betont, dass Karoline i n 1 ■ 
fallend jung au »sali, Efi ist Sonderbar, dass diese 
Krankheit eintrat, als Sich bei ihr eb«n die MeitfitruatioA 
einstellte und dass sie ew/aclite, als sie bereit* im 
Klimakt'prii.ni stand. Sie verschlief sozusagen die gan?-p /.eit 
ihrer Weiblichkeit. Sie war Kird ttnd wollte Kind bleihen, 
Auch ihre brage nach der Mutter zeigte ttns, dass Karoline 



>O^I 



Origina fnom 

^ UNIVLRSITYOFttUFORNIA 



9 



eigen tlid] an einer Kranklieit gelitten hat, die wir als 
,, psych ischeji Infant ilismus" bezeichnen, Es ist setir wahr- 
scheinlich, dass Träume der Kindheit itiren 32 jährigen 
Schlai erfiilJt hatwn, ja ssie mag SA^ar geträumt hahrn, siflt 
noch im Mutterkih« z\i beüaüen, als, ob das g^mt l.^ben 
nach vor ihr stünde. 

Dieser Fall reigl uns, welcli grosse Rolle der Wille 
zum Schlafe beim Zustandetoituncn dieser KraEktieitsbild*r 
spi&lt. Denn wir verfiigiui über ähnlich* Beobachtungen, 
wenngleich das Phänoineti des 32jährigen Schlaf<s aur in 
einem Falle, im falle der Schläierin von Oknö, beobactitet 
wurde. 

Habt ihr in der Zeitung nicht den merlt wund igen Fall 
der drei Schiälcrinncn in Prag gelesen? In cinan slillcn 
1 fausc in Prag wohnten drei Schwestern, von caicii man 
»chon einige Tage nichts gehört halte. Sie zeigten sich 
nicht a^r der Gasse und ihre Türe blieb fest verschlo^en. 
Die Nactibahnnen munlidten, es wäre ein Verbrechen ge- 
sclidieji ; andere t>e]iaupteteu, s^k liätlen sich j^eineinsan] 
ein Leids getan. Da verständig tt: man djc Polizei , welche 
die Türen erbrechen liess, da alles Klopfen untl Rütteln 
vergeblich war. Man fand die drei Schwestern in ihren 
Betten schlafend, verbarriliadicrt, wie in eine Festuni; 
zurücitgezogeE. Sie waren scbr Lnwlllig, dass man sie 
geweckt hatte, Sie hatten die Absiebt, den ganz<?n Krieg 
zu verschlafen. Sie wollten nicjils mehr hören von all den 
Grässl ich helfen, von all den Slrömen Bliites, vcii allen den 
namenlosen Opfern und ungeheueren t leiden kämpf pH. Sif 
wollten schlafen und im Frieden erwachen, wenn allp 
Olotken die neue Zeii einläuteten. . , . Und sie hätten 
wahrscheinlich \iele Monate geschlafen, vejin man sie 
nicht aufgeweekt hätte. Vielleicht schlafen sie wieder und 
warten, bis die Fried ens^floclten über das ganze Land 



EiQiriiedby IjOOgk u^j vmrVOF CALIFORNIA 



— 10 — 

dröhnen, Dean der Wille zum Schlaf ist ein 
macht jjges Schlafmittel. 

Bevor ich mich auf eine Erklärung dieser merk- 
würdigen Tatsache einlasse, mt^cht« ich «iaige Worte über 
die Physiologie de$ ScblaSee sprechen. Wie bei so vielen 
alltäglichea Funktionen, hat auch bdm Phäncnien des 
Schlafes die Wissenediafl keine richtige Erklärung ge- 
funden, Eb gibt viele Hypothesen des Schlafes und doch 
keinej die sicher bewiesen werden konnte. 

Die am meisten verbreitete Thaorie d^ Schlafes sagt; 
Der Metisch narkotisiert sich selbst, wenn er einschläft. 
Der Mensch macht sich müde durcti die Arbeit des Tages. 
In seinem Körper sammeln sich Emiüdiungsstoffe an; das 
alkalische Blut wird übersluert. Diese ErmüdungsstoÜe 
^viikcn auf den Organismus wie ein narkotisches üift. Der 
Mensch schläft, weil er sich täglich sein eigenes chemisches 
Schlafmittel, sein eigenes Narkotikum, bereitet! Der Schläi 
iel also eine Selbstvergiftung, eine Art von j,Auto 
Intoxikation". Dieses „Ermüdungsgift" ist jedoch bis heute 
niclit gdtinden wordtn. Man tiat v^ohl an Titren, die 
grosse Arbeit geleistet haben, giJtige Substati:;en kon- 
statieren können. Die genaue chemische Struktur und die 
physiologische Natur dieser Ermüdunj^stoxine ist jedoch 
nicht bekannt. 

Eine Zeitlang glaubte man, dass die Selbstvergiftung 
des Körpers mit Milclisäure die Ursache des Schlaf*^ wäre, 
Doch diese fHypathcsc isc zu leicht auf ihre Stichhaltigkeit 
zu pfiifen; denn wäre dies der Fall, so könnte man den 
Schlaf durch Einnehmen von Milchsaure leiclit erzeugen. 
Das abei; traf nie zu und so niusste diese einfache I lypcf- 
these fallen gelassen werden. Auch gibt es Beobacliluiigeiij 
welche gegen die Craiüdungsilieorie spieciieii. Man weiss, 
dass Menschen, die sicli ilb ein lüdet haben, oll keiiurn Scltkl 



,-, !• j L. ^fijiiilfj' Original fnonn 



— 11 — 

Süden, AndercrseJis steht man, üass SciilaHose, die ver- 
suchen, durch eine Körperiiclie Ermudijng Schlaf zu 
tiztu^™, die erhoffte Wirkung; nicht erreiciien, Ferner 
sieht mdfl Mensdien, die sich fast jfar nichl ermüden, 
weil et ^eislifi autb kürperlith arfceiten, sich eines ausser- 
ordentlich tiefen und gvXta Schlates tdreutrü, wähiuifi 
Menschen, die sein viel aiheileu, äicti jeden Tdg etiiiüdeii, 
ihre Kräite aut da» äu&&erstc aiispanncn, trotzdem mit 
wenig Schlaf vorlieb nehmen müs$ca und dabei doch voll- 
kommen gesund sind. 

Offenbar spielt die Ermüdung e:nc gcwUsc Rolle, aber 
in Verbindung mit anderen Kräften, über die wir noch 
Sprecher müssen. Ee ist Bchon senderbar, dass die 
Forscher lange Zelt darüber streiten konnten, ob das 
Gehirn im Schlafe blutarm oder blutreich wird. Es gab 
ange&ehene Pliy&ioloßen, welche behaupteten, das Gehini 
werde im Schlafe hyperämisdi, d. h. mit Blut überfüllt 
tind diese Behauptung durch Beobachtung an Tieren be- 
stätigt: fanden. Schliesslich kjm man düch 2u der Über- 
MUgung, dass /.um /iist;in<lpt(MTiTnen dRS ScNl;ifpR e-inf: 
IffU'isse Kliiflpfire (Anämie) des (jf"himR*i notWFrtriig spi 

Wie kommt diese Blutiieere zustande? Wohin fliesfit 
das Blut, das sonst im Gehirn zirkjhen? Wir wissen, 
dass unsere Eingeweide so viel Blut fassen kön;ien, dass 
der Mensch In sich selbst verbluten kann. Ein Scoss auf 
den Bauch erzeugt jene sonderbare Oiok- Wirkung:, welche 
auf eine ÜberTiilling di^r ßaiichelni^t^wcidt ziuiücli^uEühieu 
ist Menschen können latsächlieh auf diese Weise in ihre 
eigenen Oi^aiie veiblulcn, ulme UdSä eini: Verletzung slad- 
^rfuiideii tiat. Aber itldit nur die Eitigevi^eidej auch uiiseiTe 
Haut kann einen gjosse« Teil uji&eres Blutes fassen. Man 
spricht davon, dass die Haut ein Drittel dtä meitschlichen 
Blutes in sich aufnehmen Itann. Es ist sehr wahrscheinlich 



jl , Original fpom 

'■}^ LNIVLRSifv'OFaUFÜRMIA 



._ 13 ^ 

und zum Teile bewiesen, dass die Erweiterung der Haut- 
gefässe eine Orundbedingung des gesaaden^ tiefen Schiales 
ist. Der Mensch verblutet beim EiESchlafen in seine Haut 
und in seine BaucIieirgewEide, also in sich selbst. Der 
Schlaf gkicht darin der Ohmiacht, welche auch ein Ver- 
bluleiJ ii] Jjjdi selbst darstellt, wtimi sie uidit auf llei/- 
äcliwädie oder andere urnauistlie Uisatlied ^uiÜLizuIühieii 
ist. L'nd wejin ich hier von allgemein- wisacnschaftlichoi 
ErörterungcQ zw I [ygie-ne des Schlaie* übergehen darf, 
so gibt uns die Tatsache der Erweiterung der Blutgefässe 
der Haut und der Anämie des Gehirnes einige wichtige 
Fingerzeige und liefert uns aucli das Verständnis für viele 
Schlafstörungen. Alle Kleidungsstücke, welche den Haie 
beengen, also einen Abfluss des Blutes vom Gehirn ver- 
Jiindcrit, müfisen Störuni^en des Sehlaf^s erzeugen. Wenn 
wir iwoer ac kait liegen, dsss sich infolgt der Kalte 
UTtS'^rä H:iiitgefäs$e zu^mmen ziehen und nicht das nötige 
Q'jantiim unsere^ Blutes aLfnehrnen körnen, auch dann 
niLiss cÄ zu Störungen des Schlafes tommcn. Es ist not- 
wfTiriig, dgss sich der Mensch im Schlafe erwärmt, Di* 
bekannte ,j wohlige Bettwärme" rithrt von der reicheren 
Durchstromung der Haut mit Blut her; durch Stauung 
dieser Wärme, welche dte entsprechende HüJie besorgt, 
wird jere Treibhaustemperatur erzeugt , welche die 
Menschen eben notwendig haben. 

Man kann daraus ermessen, wie schwer unseren 
Kriegern im Felde das Schlafen in engen Kleidern wird, 
wekhe die Haut einsclmüren und die Zirkulation ver- 
hindern üud wie schwer i^ ist, liitrieud, so dass die 
Ilypeiäiuie der Maut nidit eintreten kaim^ eium liefen 
Schlaf zu finden. Trotedeni kann die physisdie Ermüdung 
diesen Schlaf unter den ungünstigsten Verhältnissen er- 
zwingen. Im Schlafe regenerieren sich ja alle Kräitc des 



jl -, Original fpom 

'■}^ LNIVLRSifv'OFaUFÜRMIA 



- 13 - 

Organ ismiia, Fr ist ein Sammf?in 711 neutr Kraft uttd neuer 
Arbeit. 

Doch zurück EU unsetin Thema! Eiat rdche Durch- 
blutung der Haut ist notwendig, damit der Mensch sich 
gesund erhall. 

Man könnte dem entgegen halten, dass Menschea, die 
erfrieren, ebenfalls einsctilafen, was ja nach dieser Theorie 
unntü^liLh wäit;^ dean vur dem Eni leren ddieii äidi die 
Dluif^dässe der Iläul zus^mtnen und es müsste ja eine 
Btutiibertülliiag des Gehirnes stattfindenj welche das Ein- 
treten dc3 für die Erfricrctidbi so gcfährüchcn Schlafes 
verhindern müsste Beim Erfrieren tritt aber et>en dss ein, 
was ich früher das „Verblulen in die Eingeweide" t>e- 
zeichnei habe: Das Blut Dielii aus der Haut, es flieht aber 
auch aus dän Oehime und flutet in die inneren ürgaiie, 
welche iiJi*^rfLJ]lt wprdtti. Auch beim F.rfriereti verhlutet 
der Mensch in sich selbst. Endlich treten beim Erfrieren 
Ze[^tzun££vorgäa£:e im Blute auf, welche zu einer Art 
Selbstvergiftung: des Körpers lührai, 

Es ist klar, da3S der Mcitach mit crhiShtciti Kopfe liegen 
rnusa, wenn sein Gehirn im Schlafe blutleer werdeit soll. 
Wäre das Gegenteil der Fall, so würden die Menschen 
leichter und lieber sehlafm, wenn die Beine erhöht wären 
und der Kopf nach unten liegen würde. Die Lage, di* die 
Menschen itn Ketie einneiimen, riin Art und Weisi^ dflr Be- 
deckung ist hei jedem individuell verschieden. Das Schlaf- 
bedürfnis und das ZirkiJlationsbedijrf[ii& dies jeden 
Menschen zeigt grosse Abweich nagen, Jeder wählt 
instinktiv die L^c!, die für Um Hin be^iten id> I>:ini \i\>U 
dti uiigeheuieii Zahl von Menschen, die es gibt, kann der 
Natuffotisctier ruhig den Satz aussprechen; „Es hat nöch 
nie zwei gleiche Mcnachcti gegeben.*' Bei cini^r ao 



ÖQHi;- ?JC 



C^fcinal fnom 

univer^itVofcali=crma 



- 14 — 

kolossalen Mog!tchkctt d^f Variation diüiscn auch alle 
Funkticxicii variabel sein. 

kh habe bi^ht^r von äacr ch^misclien und Einer vxso- 
motoriaciieii Theorie des S<hlales gesprochen. Die Er- 
fahrung E*igt aber, dasa e& noch eine dritte Theorie geben 
müsste, um das Phänomen des Schiafes restlos zu erklären. 
Es mü^en unbedingt auch seelische Kräf:e tätig sein, 
wcldic CS bewirken, dass der Moiäch einschläft. Bevor 
ieh aul die Beweise dieser Theorie, welche ieh die „psycho- 
logische*' nennen möehts und welche mciac Theorie nt, 
eingehe, ntöchte ich nur cin^e justier alltäglichen Tatsach i^tt 
besprechen, über welche die Menschen sich Steine Gedanken 
machen. Es ist dä$ Phänomen der ,,A.viJmcrkfia[nkeit^*, 
Wir nehrtidüi den Fall an, dass ich heute im Theater bin 
und der Aufführung eines Thcatcrstüekcs bciwotme. da^ 
mich langvs'eilt. Nun kann mir zweierlei paasierca: leh 
kann mich dabei ertappen, dasa ich die ganze Zeit über 
an etwa& anderes denke oder ich kann während der Auf- 
führung mit dem Schlafe kämpfen, ja sogar zeitweilig ein- 
schlafen. Der Versuch, sein* AuEmerksamkieit konzentriert 
auf einen bestramten Votis^ang zu lenken^ der einen nicht 
interessien, erzeugt bei vielen Menschen ein Schlaf- 
bedürfnis. 

Die Psycholcgie der Langweile iet sicherlich eines der 
intQreseante&tEn Kapitel der modernen Seelenkunde. Soviel 
wiaeen wir^ dass die Aufmerksamkeit eiaen Affel(t erfordert, 
d* h, eine Besetzjiig unserer Seele mit Gefühlswerten, 
Uns interessiert nur das, was uns in Er- 
regung bringt. Versuchen wir uns gewaltaam für 
etwas 2u intereesierLn, so mieelingt disger Versuch in 
vi den Fällen, weil die Äff ekle eich weigern, die befohlene 
Position zu besetzen. So geht es m^r in einem Theater bei 
einem langweiligen Stück. 



I-, !• j L. ^fijiiilfj' Original fnonn 



- Jö - 

Warum &chbfe ich du ein? 

Nehmen wir an, es wäre eia Tag, an dein kh mich 
gar nichc emtüdel hätte, an dem ich keine l>«son<lere Arbeit 
geleistet habe, und trotzdem: kh beginne 1<rampfhdkft zu 
gätin^n uitd ertappe mich dahei, dass ich für Sekunden die 
ALgtn schliess*. 

Über die Funktion des „Gähnen £*' ist man sich 
nicht recht im Klaren. ]ch glaube, dasiü durch dipse fipfm 
Atemzüge ein Mcrnent entstellt, in dpm der HUifabfluSs aus 
dem Gehtm gehemmt ist. Ich tialte den Atem an, d. h, 
ich dehne die Lunge aus^ ^ da^ der BlutabHuss ^us dem 
Oehim h/erhindert wirl, Das üäiinen dient dazu, uns 
w^ch zu erhalten. Es ist kein Miittl, um eitizuschlalen, 
sondern ein Kaaiphrittel gegen ciei ScillaL Das Qähnen 
beweist, da^ ich mich liegen das Einschldlen wehre. Wäre 
es ein Schlaimittel, so müsste jeder Mensch, d<^r sich ins 
Bett ley:i, vi>ilier ti[iit;e Dut^enü Male ^äJmtn^ was ^L' 
wühnli[:h beim Einschlafen nicht üei FdlL ht Man ^älmt 
11 ui, wenn inan sicU lang weih, kh icliJate also im Theater 
ein, weil meine Affekte tint andere Richtung einscti lagen, 
Sic gehen nach innen. Man stelle sich nicht vor, dass 
unsere Seele ein See ist, bei dem nur die Oberfläche bewegt 
ist. Fortwährend kämplen und treiben in uns innere 
Kräfte ihr Spiel. Wir bezeichnen dic&c inneren Kräfte 
gerne at^ das „Unbewussie", Den ganzen Tag; über hat 
das „Unbewtisfite" nur eine sehr beschrankte ! Jernschaft. 
Das Bewueatsein regiert graueam und un^rbitthch und 
zwingt uns den Anforderungen des Tages zu genügen. 
All unsere zurückgedringten Wünsche und Begierden 
haben aber ebenfalls ein Rechtj sich auszuleben. Dieses 
Recht setzen sie im Schlafe durdi, Im Traum lösen alle 
diese vom Licht des Taj^es verdrängten Gestalten eine die 
andere ah, und wir erwachen erst^ nachdem sie öurt-h alle 



jl -, Original fpom 

'■}^ LNIVLRSifv'OFaUFÜRMIA 



— 16 - 

Stunden rfes Schlafes einen schier endlosen mit tmglaiib* 
lieh er rfes[:h windigkeit vnrheifl legenden Reigen getanzt 
Jiatien. Wir schlafen, um zu träumea [ Mit an tleren Worten: 
Unser Un bewusstes verlangrt auch nach Herrschaft. & 
sagrt: „Du liast jr^nug gfeherrscht, Bewussfseifi, nun tritt 
mir dein Ztpt«: db, Künij^ BcwuSiübt^in ! Jt;tzt will idi 
herrschen! Jetil iialit die Zeit ui eines Reiches." 

Das ist meine Theorie — cxjei sagen wir be- 
scheideaer — Hypolhese des Schlafes. Sie lautet kurz und 
bündig: Der AUnachi schläft, wtil er schlafen will. So 
eiaiadi das klingt, so kompliziert erweist sich der Wille 
tarn Schlafen bei iiäh<;r*r psychologischer Betrachtunj;. 
Die biäh£!rig^ii Theorien eagcen; Dec Mensch schläft, weil 
*r schlafen muss. Er wird zum SchlaEärt gezwungen. Die 
Eneine behauptet: Der Mea&ch zwingt sich zum Schiaf. 
SthS;»f isi eine /Vri Selhsthypjvose, ts. iiSigt äich tnitj wer 
der Hypnotiseur ist. 

Um diese fra^e zu beantworten, möchte ich querst 
auf den Oegensatz zwischen dem Bewus&ten und dem Un- 
bewusstea hinweisen. Wir leben alle in zwei Welten. In 
einer Welt des Tay:es und in einer Welt des Trauines. 
Man konnte sich die Suche auch rciunilieh vurstelleii und 
s^gen: Alles, wag die oberäle Sdiidii des Dewusstseiiis 
ansniacht, sozusagen die ßlüte am Baume der menschlichen 
Kultur, Moral, Ethik, Kunst, CcaetE, Sitte, Ordnung, 
gruppieren sich in höheren Zentren. Alles Ererbte, Triel»- 
hafte, Dunlile, Instinktive schlummert in tieferen Schichten. 
Jeder Mensch trägt in eich einen „andera", einen Ver- 
brecher, einen, der sich nur zäh neltni rächend in die Ord- 
nung d?r Weh gefügt hat und rebelliert, der se'ins samt- 
hohen Urinstinkte ausleben will, ein^n Urmenschen. Ur- 
mensch und Kulturmensch oder die tieferen Schichten des 
Gehirns und die oheren stehen in foTtwäJirendem Kampf 



'^'S;'"'' UNI VEFS 17 Y0= CALIFORNIA 



— [1 — 

miieiaaiider. Der Kultunncaadi regierl d^s Bewussiseni, 
liiwJ fe mehr die Forderungen der Kultui stiae eigeaeii 
werden, desto raeJir vermag er auch das Reicii des Uq- 
bewussten mit atintr Macht ^u durchdringL-n. Der Ur- 
mensch licrrscht im Traum der Nacht. iJiin gehört djia 
ganze Reich des Sctibf^. %'achen und Schlafen $ind ^Iso 
ein fartwähreader Kampf zwischen dem Ur- und dem 
Ktilturoiertschen. Der Mei^sch schläft, v^eil da^ Unbewiiaste 
das Eei^huseifieia besiegt, weiL der UiTD^n^ch dem Kultur- 
jnenschea die Herrschaft iiber das Reich der Gedanken 
«atrdsst 

Der Schlaf ist ein Taudiea ia die Vergangenheit, ein 
Versinken in den imennessliciien Oiean der Erinnerungen 
des Menschen ind der Mtoschheit. Im Sctilafc lebe ich 
alle 1 eben, die meine Ahn^^n gelebt haben. Ich duri^hmp.ss*; 
vielleicht allei StadiM von d*ir Utzj^ilf bis m firm Kultur- 
maischen. Schlafen h«isst seine Verg^angen- 
iieit erleben, seine Gegenwart vergessen 

und seioe Zukunft ahnen Nun ist in 

der Natur üjchts so gefügt, dass es sich nicht mic tausend 
und abertausend Übergängen von dem Reich des Nonnalen 
iii das Uta AusserürJentliihen forteeizea wiirde. Es muss 
.also krankhafte Sedt^zustände ^eben, an denen dies^ 
Tiieorie des Scldafcs bewiesen wf^rdea kaiia, weil ^x uiis 
durch die pathologische Vergrösscrung greifbartf vor die 
Augen g^ührt wird. 

Es gibt Schlaf zustände, die bei kranken Menschen 
während des Tages auf treten und in weiclien das Uti- 
bcwuastc sozusagen daa Bcwijsstscin übcnA'ältigt. Diesen 
Schkfzuatand nennen wir einen „hyatcriachcti Anfall". 
Wie spielt sieh dieser Anfall ab? Nehmen wir ein BBispiel 
aus dem Leben: Ein Mädchen spricht mit einer Freundin 
an&cheiaend üb^r harmlose Dinge. Plötzlich lehnt sie eich 

atBtel. Der ITllle mm S^blaft 2 



jl -, Original fpom 

'■}^ LNIVLRSifv'OFaUFÜRMIA 



— 18 — 

in den Sessd zurüclt, stürzt blitzschnell zu Boden, verlie-ii 
dfis ß^JvugatsQinj verrenkt krampfhaft ihre Gli«l&r, Nech 
einer Wcrtclatunde erwacht sie upö weiss nicht wag mit 
ihr vorgegangen iat, weiss nichtj dass sie in Ohnrnaclit 
gefallen ist. Sit tiättt nur du merkwürdig >,3ÜS8«s'* Oe- 
fühJ gctiabt und dann hätte sich ein dichter, schwarzer 
Vorhang: über ihrt Augenlider gesenkt. 

Die motitme Neurologie iiat etwas Licht in die 
dunkltu üetiliäi^heiL ym^^äii;^^ >^äJi]riLiJ eines Auf all es ge- 
briik:ht. Im Beispiel, cas icli hici ei^äiiltt tiii^ sicli dtf 
A[]faU fuJKaiUenEmßeu ^u; 

Dai Mäiicht^u, wdciits Zeugin dts» Ajifülles war, liütie 
ihrer Freuuüiii due Episutie aus ihiem Lebed ericähh, in 
der sie dadurcli, dass sie die Hemmungen der Moral ütjer- 
windei lionnte, einige Woclien unEretrtibten Glticfces gt- 
nie&sen konnte. Sie war jener bekannte Typus des ,^üssei 
Mädels", welches sich über die Schranken und Hemmungea 
Jer Moral hlnwegsctzi:, wenn t& liebt; ein Wesen, das. 
sich otine weitere Bedenken dem Manne seiner Wahl hin- 
gibt. Die Freundin jedoch, der sie in diesem Momente 
eine Beichte itires Lebens aWe£te (sie hatten sich längere 
Zeit nicht gesehen), war das typische unglückliche 
,,Mädchen aus gttter Familie" Schon 27 Jahre alt, allen 
VersLichungen aus dem Wege gehend, heissblütij und docti 
itiriiclthaltend. Seihst in ihren Phantasien fast so un- 
berührt, wifr sie im Leben priid* und scheu war. In ihrem 
Anfall aber- erleb [^ sie all däs &n sidi ädbst, was ihf die 
Freundin erzählt hatte. Das Unbewusste wurde für eine 
Viertdsttird« stärker ih alle Hemmungfan dee Bcwusst- 
sein£. Aber das Bewusstseiti durfte nicht wiesen, di£s 
auch 3okh€ sündigen Wünsche vorhanden waren. Denn 
selbst in ihren Ph^intjisien war sie nicht weiter gelfonjuieiif 
als an die Pforte jenes Reiches, das ihre Freundin bereits 



r-.- - ■ ju ^/Yj^iib,- Original from 

Cigilized by ^.lUüglC ^N VmrYOF CALIFORNIA 



— 19 — 

durchmessen halte Nun sprangen ihr di«e Pforleji im 
"Iraiirrie des Anüalles atif. Sie erlebte dies alles und viel- 
leichi noch viel mebr, Sie tonnte dann wisder wachen, 
sie konnte wieder das prüde, keusche MadcliCji sein, ir der 
allerdings eine Aadere lebte^ die sich in der von diesem 
Tage an einsets Enden Anfällen durch setzle- 

Wer einn^al Gelegenheit g^ehabt hat. einen tiysterischeti 
Anfall 2 u beobachten, wird erstaunt sein, welche elementare 
Gewalt der Leidenschaften da in wenig masLierier Form 
zum Vorschein kommt. Ja, die [raniösiscfaen Forscher 
sprechen direkt von den „Attitudes passioaelles". Wie 
kommt ein solcher hysterischer Anfall zustande? Mitten 
im iiarralo^i«! Gespräcli, scheinbar ohne j£;df2 Veranlagung^ 
fällt &in Mädchen zu Boden, stösst wilde Sthreie aus, \&c- 
zerri den Körper in grotesken Wendungen. Was ist da 
vorgegan[T(?n ? Durch irgendeine Anknüpfung, die meiat 
dem Bewusstsein verborgen bleibe aber dem Forscher 
mitunter erkennbar ist, brechen die verdrängten Wünsche 
mit furchtbarem Angriff vor und drohen, das Bewusstseijij 
das &ie bisher nicht sehen wollte, zur Anerkennung zu 
zwingen. Ein ehrbares Mädclien fühit ptötzlich WüDsche 
n^hen, Bilder aufsteigen, gegen die es sich mit aller Macht 
seines moralischen Bewiisstseins zur Wehr setzt, Es liommt 
zum Anfall. Der Vorhang fallt, und die Szene spielt hinter 
den Kulissen des ßewusatseins. Der Kulturmensch 
demissioniert in solchen Momenten. Der Urmensch 
hcmacbf, die untcrdrucliten Triebe leben sich in der Welt 
der Phantasien aus. Der Körper begleitet diese Phantasien 
durch Scidcnschahhchc Bewegungen und der Anfall ist 
vorüber, wenn er ^cine Pflicht cHüUt hat. Da^ Mädchen 
kann wieder ehrbar atiiij wci! es die Fordenmgen des 
Urmenschen in einem trau mähnlichen Zustand erfüllte. 

3* 



_ ^. j ._ Z"^,,, 1,1,1,» Originalfnsr-n 

D g4i2e<J by ^:.UU^lL UNI VQ^Sir OF CALIFCRN W 



- 2(1 - 

Dieses Bdspid zd^t uns, d^ss der Schlaf eintritt, 
weil er vom Unbewiissleii crzwuiigeu wird. Nocii deut- 
lldier iiiii diese Eiäclieiiiuii^ aul UEid iiccii itiLercssauler 
wird dieses Pi"üljleiti dies uis üLjeiiwäiligeudeii Traum- 
sthlafcSj wmn wir jene Fälle betrachten, welche bisher in 
cUs Gebiet dei Epilepsie giertchnet wurden. E3 gibt An» 
fälle, deren Natur man niclit entfiel) cideii kann, Man weiss 
nicht, sind sie epileptisclier oder hjsterischer Natur und 
man hilfl sich damit, dass man eine Mitleigattung schärft; 
Die Hyakro-Epilcpaic ! 

Nun ist die wirkliche Epilepsie eine vcrhältammäßig: 
adtoic Kranlihicit. Sic geht auf organische Ursachen zu- 
rück: Oesdiwülst€, Verletzungen des Gehirns, andere 
organische Erkranl;ungän, während nach meinen Forsdi- 
ungen die meisten Fälle von sogenannter Epilepsie sich als 
eine gewöhnliche Hysterie marÜestieretL Hysterie nennen 
wir jene K'^anldieit, in der sich unbewusstii sceli&die Kräfte 
in organische Krankheits-Sypiptome umseta^n. Die Epi- 
lepsie ist ineislens eine Myelerie, Trotzdem gibt es dtien 
Unterschied zwischen den hysteriechen und den pseido- 
epilep:isdien Anfall ea. Während es sich in def tiysterle 
hauptsSchlidi um verdrängte sexuelle Wünsche bandslt^ 
tobt sich in der Epikpsie di^ ititerdriickte Verbreclier* 
n a t u r des Menschen ana. Im epileptischen Anfalle be- 
geht der Epileptiker ein Verbrechen, ) Es sind oh sanite, 
scheinbar gurmitige, Sngstlictie Mi^nsctien. die eine Hölle 
von Hass und Wut in Äirh trjagfn Sfi hahe it^h den Fall 
eines ü samten beobachtet, der, eirigemale präteriert, gegea 
den Vorsland einen tödlichen liass iasste. Als hoch- 

>] Vergleiche das Knpittl «Die psychisch; Behandlung 
der Epilepsie^ in meinem Buche aNcrvöse Argüt?ti^t^nde» 
II. Auflage, Verlag von Urbar, urd Schwarzer bergj Berlin 
ynd Vr^kTl 1913. 



>O^I 



e 



Origina fnom 

UNIVLRSITYOFttUFORNIA 



— 531 - 

moraiiscf]€r Metisch wuss^e er diesen Hass lu bekämpfen 
lind schein har iti überwinden. Ich sage scheinbar, w*il 
er diesen Hass in epileptisch en Anfällen auslebte. Er sah 
plöblich einen roten Sehleier vor den Augen oder rote 
Mammen atifzucben und Hei zu Boden. Einmal war es 
ihm aber möglich, die Gedanken zu fangen, die sidi ihm 
vor dem Anlalle aufgedrängt hatten. Man nennt dies* Er- 
scheinungen vor dem Anfalle die Aura. In dieser Aura 
sah er nun einen Mann, d?r einem ziveiten ein Messer in 
die Brust bohrte. Das Bild war deutlich ! Er selbst war 
der Mörder und der andere war der gehasste Vorstand, 
Das Bei^'usstsein war nicht fähig, den Cedanlen zu er- 
tragen, das er ein Mörder werden kontite. Allein die 
ASekte des ünbewusstea warea zu stark, als dass sie sich 
□ur im Traume der Nacht austoben konnten. Kämen bei 
Tag auf dem Wege einer Assoziation die Erinnerungen an 
den gehissten Vorstand, so konnte er urplötzlich von 
etaem Anfalle überrascht werden. Ein Beispiel: Er geht 
eines Tagss eich einbar ruhig über die Ringet rasse und 
liest scheinbar gEdani£erilo& irgendeineo Namen und 
darunter das Wort ,,StJineider-WerkEtatte", Er wiederholt 
mechaniech diesen Namen mi( dem Untertitel, ohne eich 
darüber Rechenechaft zu geben, warum er den Zwang 
empfindet, di«s zu tun. Plöizlich sinJn er zu Boden, hat 
einen epileptischen AnEall und wird von der RettungiB- 
gesellscbaft nach Hause gebracht. 

Der Vorgang war der, dass die Assoziation von dem 
„Schneider" der Tafel zum Vorstände ging, der 
„Schneider" ^) hiess und automatisch die Hassgedanken 
in Bewegung brachle. Nun wollte der Gedanke bewusst 



1) Das Beispiel Ist dem wlrkhchen, das vtel Überzeugen- 
der i&t und das ich aus GTÜndcn der nrEtliihcn Diskretion 
verschweigen muss, nachgebildet. 



I-, !• j L. ^fijiiilfj' Original fnonn 



— 22 - 

werden: „Den Menschen solltest Du enstcchen I*' D,eser 
Gedanke durfteniclit bewiiss: weiden. Ehe noch dag 
Bewu&stseiti die giausame Wahfhait erkann en konnte, 
dass es v^rbr^chtirisch^ Insiinlit« b^htirbErg«, Hess es sicii 
li&bET' vom Unbtwua&tBn übt'rwültigen. E>as ist die Psycho- 
gen e^e «ein-cs Anfa[l4!E. 

Wir sehün also, da^ es Monden te gibt, in detieii diäSe 
Schlaf zustande während dts Tages auftreten. Aber ich 
könnte noch andere Beispiele auis meiner Etiahrung^ an- 
führen, wenn ich mich nur au! dieses eine Thema be- 
schranken wolUf. ich habe zahlreidie hrfalirnigen ge- 
sammdt, welche mir twweiseii, riass auch normale Menschen 
während des lages von kurzer, oft nur minutenlange 
dauernden Sc^lalzuständen überwältigt werden, in dsnen 
sich die adtsa rasten Freignisse abspielen. Finen tlt^r- 
gang 2U diestn Zuständen bilden die Tagträume vieler 
Aknscheii. Sie sind zer&trtut, man spricht zu ihnen und 
s:e hören es tiicht, fahrei plötzlich auf; wenn man s-e 
Jragt, woran sie eben gfedacht haben, so wissen SiC es nicht, 
Sie haben die Oabe, mit offenen Augen zu träumen, man 
könnte fast sa^en, zu schlafen. Wie ein Automat gL-hcri 
sie währtnd dieser Traum minutai durchs Ltben, Sie 
Sesen mechanisch, sie Itönnen sog£r gleichgültige Oespiäche 
fiidieii und de dl tjdii^eii am btr^tiriuita] Ph;<utäsie[i niiich> 
Düü InteresiJüiife an üit^ii MtiiiKhen ibt, da»» äie es nicht 
wi^eii, dasä sit: phantasjcrtn, ü^s6 sie in zvid Wdtt^ii 
leben , von denen die eine der ajidereii vollkotmuen 
fyemd Lsi. Es ist sozusagen elii Schlaf im Wacheii, der 
ebenfalls in den sonderbarsten Lind mannigfachsten Über- 
gängen stattfitidcL So gibt es Menschen, did an einer 
Krankheit leiden, die wir ,. Narkolepsie" nennen. Es ist 
eine pathologische Schlafsucht, Diese Menschen mochten 
fortwährend schlafen. Ein an Narkolepsie leidender Mann, 



>O^I 



e 



Origina fnom 

UNIVLRSITYOFttUFORNIA 



- 23 ^ 

den ich beobachtet habe, schJicf in der KJekl^rifichPii dn, 
oder er sdilid wahrejid des Gehens ein, konnte m-ttefi in 
einem Gespräche eiuschlaien, so cass ti bald zu jedem 
bürgerlichen Benife untaugflicti wurde. Er hatte heim 
Miliar die grössten Unannehmlichkeiten und niussce als 
dienstuntauglich entladen werdi^n^ Er seh hei nicht nur 
aul der Wache, nein auch boim Marschieren imd in der 
Mannschaftfsschule ein. 

Diese nicht seltaie Krankt) eh kann sehr hohe 
Qrade errcictien und die Mensclitn, die von ihr betroHeit 
weiiien, voilkumineii lebend unfähij^ inachen. In einem 
aiiiietii FaHe, iJeii ich beobachtet habe, zeigte es sicli, dass 
CS sich um einei; liartnäckigeii Kainpl zwIj^cIku I^ewus^teii 
und unbewussteii KräfLen hajidelie, h\ üeiu :ikU daä Be^ 
wus&tseju zeitweilig vur dei Ül^üiiiadit unli^wusj^rer 
Kräfte zur(ick2;iehen muäste. Der Alann fiel in <Jeii narko- 
ieptischcti Anfällen iitinier in seine Kindheit zurück, Cr 
wurde wieder ein kieirer Junge wiid war bei seiner Muttef. 
Eine RückverBetzung^, wie sie den Tag;träumen so häufig 
eigen i«t. 

Jetzt möchte ich auf den Fail der Schläkrin vor Okniö 
zurückkommen, der Hyaictiachcn, die 32 jahie gcschlaieji 
hatlc. Sic lebte in diesen langen Jahreu ein Phantaaie- 
ieben tind diese Welt der reichen Phantasien wai- ihr 
offenbar wichtiger, als das, was *ic auf dem einsamen l lofc 
erleben konnte. Wer imstande gewesen wäie. ihre 1 räütne 
duncli diese Zeit zu verfolgen, der hätte vielleicht kon- 
staiieren können, dasa die Hysterische in Oltnö mehr erlebt 
hattev als alle ihre Schwestern und Freundinnen, welche 
die kleinen Freuden und Leiden der Bchwedischen Küeten- 
well: genossen. 

Auch sie wurde wieder ein Kind und träumte 32 Jahre 
den äelig^'n Traum ih^er Kindheit, . . . 



>o^!< 



Orfginal from 

LNIVLRSlfv'ÜFttUFORMIA 



24 



Welches Glück fiir uns Menschen, dass wir den TraLUi 
Itaben, der uds ^o reich IJcli lur alle Entbehrungen dea 
Daseins entsciiädigft, der alle Bande löst, welctie Staat und 
Gesetz aufgericlitet liaten, welcher alle Grenzen nieder- 
reisstf cie zwischen Tod und Leben stehen! Der Traum 
ist der einzige Zatberer, der das Unmöglichste möglich 
macht! Würde man einem Menschen die Möjflldijtell zu 
(räuTDcn nehmen, er müssif^ ebenso zugrunde ^elien, wie 
der Hund, den man nicht si:hlaien lässt, üer nach den 
Forschungen der Wissenschaft nach 120 Shjnden sterben 
nLu;iä. Audi ein Mtitöcii ulmt; Tiäauie luüsste an 
jjeetischem Hunt; er ic umrunde Metiesi. Nun tiibt es viele 
Mensdien, weldie behaupten, sie (räumten gar nichts; 
sie häheii eitien tiauniloäen SciilaL E^ ist dies eine aige 
Täuadiuiig, Jene Fsycliologeji, welche geglaubt liaitefi^ 
der Tr^um bilde nur eine einzige Intervalle in der Ucgen 
Reihe der Schlaf stunden, die Träume seien nur Inseln^ 
welche sich aus dem unendlichem Meere des Sdilafca 
erheben, haben sich keinen richtigen Begriff von dem 
Wesen des Traumes gemacht und beSaden sich in einer 
argen Täuschung. 

In dem Momente, da wir die Augen 
athlieaaen, aetat der Traum ein und wir 
träumen die ^an^e Nacht hindurch, bi& in 
den jMorgcn, der uns durch das Bewusstscin grausam 
oder gütig (je nachdem unsere Träume schön oder gequält 
waren) in das wache Leben zurückruft. 

L^nj^e Zeit war ich der Arjsichtj der Traum knüpfe an 
den letzten Gedärm ken an. er spinne so sein feines Gewebe 
weiter, bis er auf Umwegen zj jenen Wünschen und Be- 
gierden komm*, die gerade in dieser Nacht sich ausleben 
wollen. leb habe mich allmählich eines anderen überzeugt. 
Ich weise jetzt, dass die Traumbilder hinler den Kulis$«n 



>O^I 



Origina fnom 

^ UNIVLRSITYOFttUFORNIA 



-- 2ö — 

des Bcwusat^cin^ bcrcitaichcn , auf der Lauer Hegen, 
auf dtii Moment warttn, bis sie unser Bewuaatsein über- 
rumpcla können wie eine Herde trunkener Soldüien, die 
in daa friedliche Bereich einer athlafenden Stadt einbrechen. 
Ebtnso reisat uns der Tag aus diesen Traujnt?ilderfi, häuEig 
genug ohne Übergang. In aa deren Fällei^ gibt es wuDder- 
tfare Tra um bilderf welche die Einleitung in den Traum, 
in den Schlaf und dää Erwachen schildern. Herbert 
Silücrcr hat diese Sj^iribüle de» EinschUfeiiä und Er- 
wucheriä ah Schwdlt^Dsyndi^jJLk geschildert, fcli sclilfife 
du und nidtin MumeiLte je^elin]^ t es mirnuch, dn „tiyp n a- 
y:oifisthes" TraumbAd festzuhalten. (Sc nennt man 
die Träume, die man vor dem Einsdilafcn ncjch halb- 
twwusst, schon halb unöewuss: träumt.) „Ich sehe 
einen dunklen Schacht, in den ich mich 
tilnelnz wängre." Es Ist das Bild, das sagen soll: 
„Jetzt steig* ich in das Reich meiner Träume," Vor dem Er- 
wachen träume ich einmal, dass sich eine Tür€ älfnet nnd 
ich ans dem Dunkel e:nes finsteren Raumes in eine licht- 
durchHuteie Fmhlingslandschaft trete. Dieses Trauinbiki 
schildert das Verlassen der Nacht und das Erwachen. Es 
ist ein ,,& y p n o p o ra p e r" Traum. Freilich nidit immer 
geiingt es, diese feinen Übergänge iesizii halten. Nicht 
immer sind sie vorhanden. Wiederholt habe ich an mii- 
selbst beobachtet, mit welcher bniialen Uewalt Iraiim- 
bilder, die gar keine Beziehung zti dem Uertanljen haben, 
der mich gerade beschäftigte, in meine Sede eindrangen, 
Wiesö tommt es a^er, dass wir nicht wissen, dass wir 
permanent iräumtd? Und wieviel kann man in einer Nacht 
tfäiimenl Von der unheimlichen Schndliglceit, mit der 
Träume sich abspiel&n, geben i^ns die Wecker! räume eines 
ftanzöeiedi^n Forschers M a u t jf Kunde. Er machte sich 
die Mühe, dieselben aufsMsth reiben, Obwolil der Wecker 



r-- - ■ ju ^/Yj^iibj Original from 

Cigilized by ^.lUügK ^N VmrYOF CALIFORNIA 



~ 'M — 

nur 14 Minute geläutet hatie, trau ante er kompliziem Be- 
gebenhdten, die sict] im Laufe von Tagei Lnd Monaten 
abspielten; Er war atia:eklaet, tatH vor die Ritliter, machte 
die Sciintken eines Prozesses durch und hörte sdiliesslicti 
das Arme-SüDüerglöchlein läuteri, das itm zum Tode riet 

und all das in wenigen Sekunden ' Die Träume 

einer Naclit aufgeschrieben, ^etjen vielieicht ein Werk in 
30 Bänden, ungefähr so gross wie ein Konversitions- 
lexikon. Ich zweifle sogar, ob diese 20 Bände genü^ea 
würden. , . , 

So rasch rast der Zug auf der seelischen Eisenliahn, 
wenn der Führer, den wir das Bewusstsein nennen, die 
Lokomotit'e verlässt. Was wir von Träumen fangen, sind 
Erlel^nisse von Traumsekunden und nur diejenigen dringen 
jn unser Bewusst&e:n ein, die so affektreich sind, dass a:e 
trotz aller Hemmungen das erregte Bewusstsein wach- 
rütteln, Das ErA^chen ist ein Wehren gegm die TraL ra- 
gedanken, Ich wache aui^ weil ich des Spieira meiner 
Phantasie müde t>in, w^il die Hemmungen, die auch in 
Traume hinlctir;nifrMi, aufgehoben werden und krh mich 
im TraiiTTK^tiuThte, die lerzten Konsequenzen iw ziehen. Der 
*ri n n e rt* l r a u m ist ein aus e i n e r^i Meere von 
11 n bewiissten Vorstellungen geschöpfter 
Iropfen^ in dem sich alle Strahlen des Be- 
wusstseins brechen, so dass er in fdlsthen 
t";irben schitäert. . . . 

Das üehim ruht keino St^kiuide im Schlafe, Von der 
Arbeit des Tages geht es an dse Arbeit der Nactit. Aber 
immer gibt es eine Arbeit Es ist bekannt, das* Gelehmeft 
die Lösung schwieriger Aufgaben im Traume eingeiaDen 
ist Wir wissen, dass x. B, Goethe Gedichte im Traume 
kotizipierte, in einem [taumartigen Zustand aufstand und 
sie in dieser Dämmerung des Bewusstseins niederschrieb. 



_ ^. _, ^ /"^f-i, Uli,» Originalfnom 

D g4i2e<J by ^:.UU^lL UNI VQ^Sir OF CALIFCRN W 



— 27 — 

Ja nocti mehr — unser Gchim steht im TraLme mit der 
ganzen Weit in Verbindung, wie die unleugbaren Tat- 
sache!) dL^r telepathischen 1 räume bc^vciscn. Wir Iräumen 
ir^eadeiitco rosigon Tr^um volJ herrlicher Bilder. Platz- 
licli pücbt es an die Pforten unserer Seele urd ^ne Nach- 
richt [tieldet uoSf daeS ein lieber Freuj^d irgendwo oi't dem 
Tode ringt. W^ir ^hen sein Krankenzimmer, wir sehen 
ihn aui einem Lager — wir sehen d^n Ant und erwachen 
pochenden Herzens, notieren diesen Traum taid nach 
einigen l^gen bringt uns ein Brief die Ktmde, dass sich 
alles in der Stunde genau so zugei ragen, wie wir es ge- 
träumt haben. 

OaJt dieser Vorgang früher als ein Wunder, so hat 
ihn uns die Entdeckung der Telegraptiie otine Drall t ver- 
standlicli eemadit. Wer \^eiss es alöer, wie viele soicher 
Nactirlcliten wir empfangen, die nicht In unser Bewusst- 
sein dringen, wie viele wir verarbeiten, ohne davon 
Kennmla zu haben ^ gegen wie viele solcher drahtlosen 
Tel^iamnie auä dti ;;;au£tiL Wt:il. ^viL lij3 v/ehitrii, sü üass 
wir am Morgen gerädert erwach tn, weil wir die ganze 
Nacht gegen diese bösca Einiliisse gekämpft iiabeii? Ach, 
es gibt ooch viele Wunder in dem Wunde rlande de« 
Traunies, deren Löaniigen einer z:u künftigen Zeit vor- 
behalten bleiben? 

Ich verlasse dieses interessante Them^^^ das ebie breilere 
Ausführung verdienen dürfte, um eine weitere Stütze mt^insj 
Hypothese anzuiiihreLi. Es ist dies eine Krantheit, an 
welcher jetit in Kriegszeiten die niei&ten Menschen leiden 
— die Schlaflosigkeit kh hab& mich bemüht, zu tseweisen, 
dass der Schlaf etitsteht, wenn das Unbewusste stärker mit 
Affekten geladen ist als das Bewusstsein, wenn der Ur- 
mensrh stärter igt, ah dpr KiilfvirTn^nsrh, wenn die In- 
teressen di?s Un tiewiissten die de» KewiisAl^iitf; in den 



^1 , Origina from 

■i*^ UNIVLRilTYOFttUFORNIA 



— ^s — 

Hintergrund drängen. Es ist nun klar, dass der Mensch 
nicht schlafen hann, wenn das B€wi;6ät£«in eine stärkere 
Ladung mil AEekten leigt, als das Uitbtwusste. Hier be 
rühre ich das Problem der AufmerkÄamlcüit. Infceresfe und 
Aulmerksamlteit sine Aflelde, das heisst OeJühlswerte- Je 
stärkere ( iefühlswerte riaa Eewiusisrin hui, d«itn scihwcrer 
wird es rif^in llrliewiisstiin w<*TriPn, sich vcr^ii drängen imd 
sich durcJiziisetzerL ts 4-iljt Menschen, die he, \ ag; und 
zu jedem Moment sdilaten kennen, die sehr viel schlafen 
müssen. Das sind eigentlich Enttäuschte des Lebens, die 
sich in die Welt des Traumes flüchten oder die von der 
Well des Traumes überwältige werden, weil die seelische 
Wage nacti jener Seite hinnel^l, wo grössere Lustqualitaten 
vüihiiLiden i^ind. Eiittüusiiit uns dei^ Lt^ben, sü t:rät;td uhh 
der Trajni die verlorenen j iolfi^uQgeti durch übeireiche 
EdüUung. Je reicfier die Inleres^eii des Meuäclicn sind, 
desto geringere Kraft wird da$ Unbe^usstt über iha 
haben. Deshalb — und nur deshalb — schlafen die Hoch- 
intdlcktudkn, die Gipfd der Menachheit, aehr wenig. Fiir 
sie iat der Echlai vfirlorene Zeit, wcnpgleich wir w lasen, 
dase das Geh im auch im Schlaf nicht ruht und raatlcs aa 
der Lösung der vom Tage geetellten Aufgaben weiter- 
^hcitet, trotzdem alle Teufel der inneren Hölle es zu 
hindern versuchen. Geistige Arbeiter brauchen wenig 
5dl [af! Das heissl[ nach memer Auffassung: sie benötigen 
bloss ein bisschen Abwechslung. Aber ihr Bewusstgein 
ist so reich mit Oefiihls werten durchsetzt, dass sie gern 
aitf die Frendeo der Traumwelt versichten. Anderseits 
werdMi wir bfgrwf*»n, das* Menschen, dip sich in schweren 
Sorgen hetünden cider die gewaltige Interessen für di^ 
Vorgänge des wachen Leben.? hahen, keinen Schlaf ftnden. 
Bevor ich die Ursachen der Sclilatlosigkeit bespreche, 
muss ich erst versuchen festzustdlea, was wir unter 



Original fpom 

LNIVLRSifv'OFaUFÜRMIA 



^ 29 ~ 

Schiafäosigkeit verstehen. Es g-bt Menschen, die behaupten, 
<iase sie schlaflos sind, weil sie nur fünf Stunden tief uüd 
ruhig echlalm können. Andere behauptea, sit haffeo seit 
Jahr und Tag keine Stjnde geschlafen. Die dritten be- 
zeichnen sith als schlaflos, weil sie däe vorgenommene 
Maß von achi Stunden niclif erreicht haben. Ol Diese 
omin&S^, 'immer wiederholten, ewig vorgekauten Acht 
ijiiinden! Diese unsinnigste alkr Eiegeln! Wie viieSe 
Menschen sah ich schon tiH img;lMriflxhj weii sie dieses 
von der Hygien* vnrgf^fhriptwne MaH nichl er2wingen 
konnten ! Wie viele sah ich erJtrankien, weil sie fürchteten, 
wegen Schlaflosigkeit krank zu werden! Man muaste ein- 
mal d^ Unglück schildeni, das die hygienische:i Regehi 
über die Welt gebmcht haben! Nur der kleine Mensch ist 
so vemiessen, cas ungeheuere Variationsbedürfüts der 
Natur in Reßcln und Gesetze piessea zu wellen. Die 
Tyriuiuiä einer fdlsdi äufteiHssttm Hy^fjieiie, der soziaie 
Irapeiativ ,jDas isl gesund!', die Angst vor dein Donnei- 
wort ttDah i&t sctiädlich" niaclien die atolze McuscIlIiclI zix 
einer Bande von feigen Skiavcn. Ich kennt mibdugsame 
Herrenmenschen, seelische Anarchisten, die vor einer 
hyg'ienischcn Regel in sich zLiaammenbrechen^ Doch woliin 

verliere ich mich? — 

Wie lange sollen wir schlafen? Ea gibt Menschen^ 
welche ein uq geheures Schlaf bedü du is haben und be- 
haupten, ihre Nerven erforderten es, dass eie lange schlafen. 
Sie sind müde und echläfrig und hegehren immer nach 
neuem Schlaf. Aber sie wachen schon des .Morgens müde 
auf. D^ sind die von mir als ,,Ü b e r s c h i a f e r" be- 
zeichneten Neurotiter, Menschen, die mit dem Ti^bm nirht 
zufrieden sind und si(^h in die Welt der iTäiimf* fhifhtfin. 
Oft Ifämpfen Sie die gan7i* Narht gegeti Versuchungen und 
kämplen sich so müde, dass sie am Morgen wie gerädert 



jl -, Original fpom 

'■}^ LNIVLRSifv'OFaUFÜRMIA 



^iO 



erwacfien und mit dumpfem, ejagfenomtnenem Kopfe an die 
Arbeit ^eheii. Es iät at)solut nicht: riclitigr, dss^ man duncli 
langes Schlafen seine Nerven stärkl. Im Gegenteil: Der 
Nervöse müsste eige n 1 lieh den anzulangen 
Schlaf meiden, weil ja seine Nervosität 
daher r[ihrt,daafter irt schwerem Konflikt 
7. ui/iscti«n flen Forrterungender Kultur und 
dem Andrängen seiner J rieht* leht In ri*r 
Nacht eni'acht „Jfr And&re'' in ihm, den «r des Tags 
inü:isani zurückä^ecräogt hat, Die Erfahrung zeigt, daiss 
solche Aknschen sich viel woliler befind en^ wenn sie 
weniger schlafen und cH nach einer Nacht, die sie in Ge- 
sellschaft verjubelt habtn, viel frischer sind, als nacti einer 
Macht, in der sie 10 Stunden geschlafen haben. 

Übrigeflg kannte fich^n Fischart dies« Weisheit: 
,^ein weißer und v^er&tänd'gcr Mann 
Die ganze Nacbt durchschlafen l^ann, 
Wer aber schldlt dahin ohn' Sorgen, 
Der weiss cH nicht wohin am Morgen." ^) 
E3 gibt keine hjr^ictiiacfacti Regeln, die für alle 
Menschen passen. Was dem einen nützt, kann dem 
anderen schaden — und umf^ckchrt. Das gilt auch iür den 
Schlaf. Jeder Mensch hat sein individuelles 
Schlafbedijrfiiis! £« ist bekannt, dasf geistige 
Arbeiter weniger schlafhedüritig sind, als Menschen^ die 
viel Musl(eiarbei1 teislen. Virchovr, Mojiimsen, 
Goethe bedurften alle sehr wenig Sclilal. Von 
VirchüWj der bti üeltener Kcialiger Frisehe ein hohes 



1} Auch Homer kennt den Schaden de? ^Ihiitanigen 
Schlafes, Im XV. Gesänge spricht der Sauhirt lu dem a!s 
Bettler verkleideten Olyss^us die Worte: «Es zw:ngt dich 
nimmünd, f'ühe schtalei zu gehsn j auch vieles Schlafen 
ist schSdlicH«» 



r-.- - ■ ju ^/Yj^iibj Original from 

Cigilized by ^.lUüglC ^N VmrYOF CALIFORNIA 



— 31 — 

Alter erreich ie, isl es btkannt, dass er nur 4 Stunden tä^j- 
lich schlafen konnte und gich dabei frisch und gesund 
iühlie. — Andere brauchen etvi'aß mehr, Al>et ith habe 
gdütiderij daes Men&chen, die regen Otistes aiid und denn 
Gehirn tagisüb^r s«hr hcschäitigt i&t, im Durchschnitt mit 
6 — 7 Stunden Schlot vollhommcn ausltomnien, In der 
Jugend benötigt man viel mehr SchlaK als im Alt^r. Kinder 
gleichen darin den Hunden^ die einen grossen Teil ihres 
Lebejis verschlafen. Aber auch da zeigen sich schon Unter- 
schiede. Aufgeweckte und leohafte Kinder schlafen 
weniger und juet nicht zu der Zeit, wo es den Eltern ge- 
nehm ist. Es gibt Kinder, die schon in sehr frühem Alter 
an Schlaflcsigkeit erkranken — ein eigenes Thema, worüber 
ich in meinem Werte: ,. Nervöse Aiig$t2u£tä[ide und ihre 
Behandlung'* sehr aii£fü!iriich geschrieben habe. Stht 
häuBg sind es schädliche Hindrücke, grobe Ersii^licngg- 
fehler, unar gebrachte Zärtlichkeiten der Wartepersonen, 
Irühgewectte Seitalität, welche die Ursachen dieser 
Schlaflosigkeit bilden. Mancher Fall voa Schlaflosigkeit 
der Kinder lässt sich auf wunderbar* Weise heilen, wtnn 
man die Kinder aus dem Schlafzimmer der Eltern in ein 
eigenes Zimmer verbannt oder die Warieperson wechselt, 
welcher das Kind anvertraut wird. 

Je älter der iUensch u'ird, desto weniger SchlaJ h^ 
notigt er. Ich möchte hier hinzufügen, dass dies die Reg?l 
ist, dass es aber auch mit Bezug auf diese Verhältnisse 
keine Regel ohne Ausnahme gibt. Es gibt Greise, die 
sehr viel schlafen müssen, und es gab einen beruh mten 
nordischen Mathematiker, der im hochsien Greisenalter die 
kompliziertesten Aufgaben losen kannte, aber allerdings 
n\tt einige Stunden täglich arbeitete; die übrigen Shmden 
verschlief er Aber für die grosse Mehrzahl gilt dif Re^el, 
dass sie viel weniger Schlaf brauchen, als in der Jugend, 



I-, !• j L. ^fijiiilfj' Original fnonn 



— 3-2 ^ 

Leidet wollen aidi viele all« Leule tiiU dieser Tal&adie 
iLLclil aLUuUei) uüd veiauclieii iiLiiiei wieilex, deit tc$ieii 
Schlaf der Jugtnd zn «rzwirgen, Sie grdfen zu ym- 
schjcdenen Sdilafuiitfieln und machen sich so kraak, immer 
in dem Bestreben, recht gesund zu sei a. Es entsteht bei 
ihacQ ciuc Art Ang^t-Ncurose^ mit Bezug auf den Schlaf, 
wcldic ich darni später ausfülirlidi scliiidcm werde Alte 
Leute beaötigen auch wenig^er Schlol. Ihr Organismus 
lunktionkti viel l^mgä^m^r und beansprucht auch kein« so 
lange Ruhepausen. 

Ein noch gröaseres Vorurteii herrscEit über das Schlal- 
bedürinis bei nervösen Menschen. Viele Nervöse be- 
haupten, sie miisstea viel, sehr viei schlafen, 3, 10 bis 
IQ Siuaden, um gesund zu bleiben, sonst könnten sie nicht 
arbeiten und gar nichts leisten. Der Berliner Proiessor 
Schleich trat sogar öffentlich für diese Schlalknr bei 
Nervösen ein und ich war gezwungen, ihn ati der gleichen 
Stelle eines Besser eti zu belelmeti. Es gibt nichts Schäd- 
licheres für den Nervöser, als ein allzu langer Scilaf und 
man kann manche Fälle von Nervosität schon dadurch 
heilen, dass man die Kranken dazu anhäU, sicli nicht in 
Überechl&fer 2u verwandeln, Menschen, die sj vid 
schlafen, erwachen des Mcr^ens müde und matt, sie sind 
iiüdi immer nicht recht au^t^tschlufen und auJäHeiubt. Sit 
kämpfen noch imniei" mit den CindrAcken der Nacht und 
lülileii sidi eisi aiii Abend wieder woiiL Die merkwürdigt 
Erscheinung, die uns viele Ner\'öse berichten, dasa sie efst 
gegen Abend ihren KopfdrLck verlieren und sich ab ge- 
sunde Menschen fühlen, bcruhi: auf jenen Tatsachen, die 
ich eingangs meiner Ausführungen abgehandelt habe, Mcsc 
ncryosen Menschen flüchten aus der ihnen peinlichen Welt 
der Realität gerne in das l?^ich der Träume, wo ihnen 
d{3s rasche Spiel der Phantasie willig alle Mögliehkeiten 



jl -, Original fpom 

'■}^ LNIVLRSifv'OFaUFÜRMIA 



— :J3 ^ 

zugärglich macht, die am Tage für sie vönchLoss^n sind. 
Da werden sie lu kühneu Hettien, zu berühmten Man Dem. 
Da verwflndtlt sich der spiwshiirgftrlichp Beamte in einen 
eleganten Dnr Juan, die schiJChteTne Hansfran ir eine 
leidenschaftliclie Messaliria. Aber auch khminelle Triehc 
erwachen, die des Tags über hinter den Ritzeln des Be- 
wusstseins scheu schlummerten, vor denen Moral und Ge- 
setz mit blitzend eil Schwertern Wache tueSteti. Morde 
werden t>egangen, die zu lansfwierigfen GericJitsprozesäen 
fubitn; für unltisliche Fraj^en werden gt^waltsame L6sung:en 
gciudit und miiinchf^r gordische Knoten clts Lebens wird 
i»k dem scfiaifeci Seil weite dei Tal Jüiclü^uiitt^i. 
Kämpfe spielen sicli äli, vüi deit^u Bedeutung das 
scflüclltcrtilc Btwusststiii die Augen ^ciiiitä^fn inuKj wcfllte 
CA rticht die niüh^m errungene Ruhe aufgeben. 

Wir ringen in den Nachten mit der> Vei-auchüngen. 
Ethische Hcrrimungcn und kündige Vcrsinimiigcn kämpfen 
rastlos miteinander j 6aa wirbelt und tolk durcheinander, 
bis una der Morgen dem Hexenkessel entreisst und zu 
neuen Taten mit. Je nervöser der Menseh ist, desto titfer 
gefi«! seine Konltlikte, desto heftiger tobt der Kampf 
zwischen Trieb und Hemniung, Der Meurotiker darf nicht 
so lange schlaten, er darf sich nicht so viele Stunden 
hemrauitg&losen Impulsen hingeben, weil er sonst am 
Morgen sfhw^er in das Reich der Wirklichteit /uriickfinrid^. 
Manchen hlhrt dei Iraiirn in d;*a Paradips der KiridtiHt. 
(^— denn jede tust will twjgtcit, will ticte, tiefe twig- 
keit", sagt Nietzsche.) Nun erwacht er und seil die 
Mühen des Tages tragen, er braucht einen Cberganij in 
das wache Leben. ... Die durch den langen Schlal immer 
l(LihQer gewordenen Forderungen seines Unlxiwussten 
dringen vor, aber das Bcwusstsein seil li esst einen Reifen 
um seine Slime, den er als „Kopf druck" lülilt oder äogdr 



jl , Original fpom 

'■}^ LNIVLRSifv'OFaUFÜRMIA 



- 34 — 

als eisernen ßeifeCj der den Kopf umschliesst, oder als 
einen echweren eisernen Hdm, der ihm das Haupt zu 
Eoden drückt. Das Bev;uss1s«iii hält sie aüä zurück, die 
törichten unerfüllbar*!! Wünsche und der Kopf hat 
scheinhar Ruhe; aber noch wogt es und braust es im See 
der Se«le, noch z:t1em die Weilen der Erregung nacti und 
werfen ihre weiten Kreise Erst am Abend beruhigt sich 
die Seeie und kann das Eild der wirkiichen Welt spiegeln. 
Das ist der Grund, weshalb nervöse Menschen so viel 
schlafen wollen und nicht so \riel schlafen dürfen. Es ist 
ein falsctier Instinkt, der sie dazu treibt im ünmd€ ge- 
Dontmei (ieniiltetictit und Weltflucht . 

Die Nfiirotilff^r schwanken zwischen den beiden F.x- 
tremen, ?:wia:^hfn dt^r SflilaUucht und rier SchlallrtsijTffceit. 
Will man prmRssi^ii!, v/ie sfhr rilie Srhlatlrisigteit überhand 
eenomfiien hat, so werfe man einen Blick auf die Liste der 
neuen Schlafmittel. Ihre Zahl ist Legion, Das Angebot 
riciliet sich auch in hygienischen Fragen jiacfi dem Bs- 
dürfnis. Und wie Ut erst jetzt in den erregten Kriegs- 
zejtcn das ßcdiirfnis tiadi Schlafmitteln giestieE^nl L:n 
Apotheker versictierte mir, dass er 1915 viermal soviel 
Schlafmittel verkauft, als In Fried etiszeiten. EJamit hätte 
ich glelcü eine der Ursachen der Schlaflosigkeit ge- 
nannt: Die Erregung des Gehirns lässt die Menschen 
nicht schlafen. Es mögen die Affeütte des Hasses, der Liebe, 
der Angst, der freudiGfen Erreigunje; sein — es bleibt sich 
^Itidi. Alle Affekte machen uns ächUflus. Vur einifttu 
Jahren cischüss tin exaltierter Hofmeister meh:tie Mit- 
glieder einer aiigeselieiien fanülie. Eine Woche voiher 
war ei zu einen Ai/l gej^angeii und halte über Sclilaflosig- 
keit gtklagL Dti PiiA wai kebi gulei Psychologe; er 
hätte sich nicht jnit der Verse hrcibung; eines Deruhigungs- 
mittels begnügen dürfen, er hätte nachforschen müssen, 



>o^!< 



Orfginal from 

LNIVLRSlfv'ÜFttUFORMIA 



35 — 

welche Affekte das seelische Oleichgewicbt seines Patienten 
gestört hauen, Vielleicht war« er imstande gewesen, den 
grässljcheti Plaa zu entdecken . , . vjeUeicht wäre dieser 
Plan schon durch eine aufrichtige Au^p räche in nichts 
zerronnen und nie adsgcführt worden. — — — 

Di& meisten Menschen wissen nicht, weshalb 3ic nicht 
achlafcn können, Es i^t unglaut>lich( wie töricht die 
Menschen sind und wie wenig sie sich selbst keimen, 
wenn sie die Ursachen ihrer StüiunQ;e[L erkemien sollen. 
TAU. Kiiu[r;iJU][i koin zu mir, cer über Schlailosigkeit klagte 
und um ein Mitttl zum Sdiiafen büt; er sei offenbar so 
nervös, dass er nictit mehr schlafen könne. Er wisse nicht, 
warum er keinen Schlaf finde, Als Ursache der Schlaf- 
losigkeit stellte sich tieraus. dass er vor dem Bankerotte 
stanfl nnd Rieh dies nicht gestelien wolUe üegen seinen 
Willen drängten Sich ihm dps Nachts die Sorgen auf und 
wenn er sie auch verscheuchte und den Vorsatz ausführte, 
nicht an das Geschäft zu denken, bo wirkten diese Kräfte 
um so störender hinter den Kuliesen des Bewusstseins und 
hifiderteii ihn am Schlafe, in dem er so ^eme seine 
schwierigE Lage vergessen hätte. Ebenso erregen alle 
unbefriedigte Wünsche erotischer Natur. Von den 
Menschen, die nicht schlakn Idnnen, sind ein guter Teil 
liebeshungrige und mit fabcher Liebe genährte. Der Bei- 
spklü konnte ich unendlici] viele erzählenn VCie olt liÖit 
man von dnoii Manne, üer sL'hlaflus ist, dass er gi^wiss 
keinen Orunö habe, der ia der Erotik zu suchen sei, ,,?r 
vi'äre glück! icb verheiratet, besitze eine schöne Frau , , /* 
Und dach: forscht man näher, so sieht man, dass sein 
Hegehrei» auf verhcttpnen Wegen wandelt, dass Wünsche 
in iiun rebellieren, die er sich niemals einzugesietiec wagt, 
Wie oft werden dann die Ursachen der SchlaflMigk^iit 
auf äussere Motnente g*schobai; Der Eme kann nicht 

r 



Diqitzed bv k.,OOijlt uNiVEnsiKoraurümift 



— -16 ^ 

schlafen, weil er d:e Geräusdic der Strasse Jidrt, weil die 
Nachbarn immer mit den Türen hiti- und he nach lagen, 
weil ein Zimmerg«n>5ac isciinarcht . . , uaw. Es gibt da 
absonderliche Typen! Ich kenne Ncurotiber, die sich eine 
eigene Wohnung cing^erichtei haben, die ab^oiuJ: „lärmfrei*' 
ist, durch d^^rcn starken, dicken Wände kein Schall dringen 
kann. Das Zimmer geht in eineti stiälen Gartm, die 
pEjQfiter sind mit dichten Teppichen verschlossen, Alle» 
ist t^rechnet, den Schall abzudämpfen; überdies trägt der 
LämiEcliene nocti Antiphone (Apparate, welche den 
äusseren Gshörgang luftdicht ab^hlicsscn) und trotzdem 
weclit ihn das Surren einer Biene oder irgendein anderes 
Geränech. Diese Menschen Hiehen vor den 
Stimmen ihrer eigenen Brust, die sie nach 
au$6en projizieren. Schlaflose, die kein Geräuscli hören 
ttännen, die jedes Geräusch weckt, kämpfen gegen V^er 
suchungenj gegen Phantome, gegen Vorwürfe, die aus der 
Lavaglut ihres [nnem emporsteigen und sie fortwährend 
erzittern unachen. Sie benehmen sich ifie die Bewohner 
einer vulkanischen Gegend, 'A-^elche sich vor dem Donner 
und Blitz in der LuEt fürchten, wenn die Erde, w«khe sie 
tragen soH, sittert und erbebt. 

Die Aden der Schlaflosigkeit sind verschieden. 
Manche schlafen leicht ein, er\^achen dann f>akj am 
einem furchtbaren Trautn mit Herzklopfen, in Seil weiss 
gebadet und können nicht weiter&chlafen. Andere können 
gar nicht einachiaEen, sie hören Stti:ide auf Stunde schiagen 
und fragen sich zitternd vor Aiigsti ob sie denn keine 
Erlösung finden und nicht einschlaf er weiden. Endlich 
gegen Morgen, oft engt gegen vier Uhr oder fünf, erscheint 
der Schlaf, Und dann schlafen eie spät bis in den Tag 
hinein. Dieses Leiden hat die Tendenz, schlimmer und 
schlimmer zu werden. Immer s|>äter schlafcii solche 



I-, !• j L. ^fijiiilfj' Original fnonn 



JSleriSich«! ein und immer später stehen sie auf. Wenn diese 
KranHieit dncE reich efi Mann trifft, (tann es schliL-ssiich 
soweit kommen, dass er den eanien Tag verschläft und die 
Nacht zum iRge niachen muss. Das hat sein<: guten Grunde. 
Die Nacht ist die Zleit des Verbrechens. Im DunkeJ regen 
sich alie bösen Instinkte, ffegei die dei' Menscti kämpfen 
mtiss. Das Bewusstscin, dass es Tag iat^ lässt diese 
M ersehen schiafen, wahrend die Tatsache, dass es Nactit 
istj ihn«i den Sclilaf rRitbt Mit eiserner Energie kann 
man diese hälie von Schlaflosigkeit heilen, wenn man die 
Kfanken zwingt, früb Morgens rascti ai^f^u stehen. Dann 
gibt es ein paar bcse Tage, ab«r allmählich ü^gt dis 
SchlaftiediirfniSj besondere wenn es gelingt, die Quölle zu 
findsn, aus d&r die Affel^te immer neu gespeist we:*deni 
und die reb&llLschen Ströme abzuleiten. Dann kehrt der 
ruhige, g^eeunde Sclilaf zurück, von dem viele vom Leben 
enttäuschte Menschen behaupten, er wäre da£ grösste 
Clüclt des Lcbcn.$! 

Da allt Affekte schlaflos machen, muss dtr Krieg ein 
Feind des Schlages sein, Im Kriege faefiöden wir uns alle 
in einem Stadium der gesteigerten Atfektivkät, Der Affekt, 
der uns bcherrsclit, ist der Affekt der ängstlichen Er 
Wartung, weil unsere ganze Existenz , unaer ganzes Fühlen, 
das Wohlergehen des Kleinsten und Größten voiii Erfolge 
abhängt, weil der Krieg ein Spielen mit dem hottisten Ein- 
salze ist und weil selbst das stärbte Vertrauen es nicht 
auasdiliessl, dass sich Sorge und Angst in unser Herz 
einschleicheE. Zahllus sind liit Menseben, die jetzt mit 
cfJenen Aufen in das Dunkel derNathl slaneii, umDiüd«, 
Väter, um Männer und Freunde titterij. Zalillos sind die 
Herzen, die so heiss für das Vaterland schlagen, diss sie 
in banger Erwartjjig der Entscheid iin]y: die kusl baren 
Stunden des Sclilafes opfern. 



r-.- - ■ ju ^/Yj*,ibj Original from 

Cigilized by ^.lUügK ^N VCKrYOF CALIFORNIA 



— 3ö - 

Denken wir darüber nach, wie viele Measchen auf 
der ganzen Welt letzt iilclit schlafen könrcEi und sich 
in banger Sorgt und öeberti alter Erregung; auE dem Pf Uli l 
wälzen? Man sagt, ein Kiitg koste Geld und Blut. Maa 
berediDct nicht, wLevitI Schlaf er uns kostet. Adi^ 
käuatc nifUi die Stuuiitru /äiilLii, diu: dUe [V^aiäclieiL jetzt 
wenig ei gts^dildftti Imljtru, t^ kiiitie elut- i^u^^djäuie Euauue 
heraus, die sich auf bauaend Milliarden Stuodm fjclaufcn 
würde, M*n frage eicimai bd sdaen Detanntcn nach, und 
man wird immer die Klage hören, dass aie zu wenig 
schlafen. Wir befinden uns alle ia einem Zustande ge- 
steigerter Reizbarkeit. Unser Qclülilaiebcii ist in ständiger 
Erregung, und Gefülilc sind ein schlechtes Schbhnittei. 
Nur ein Übermaß der Erregung; kann wieder die Reizung 
der Gehirnzellen in Lähmung verwandeln und den Schla] 
erzwingen. So sdtlaf^n St^ldaten im Donner der Kanonen, 
so täill der Held Flauborts in S^lämbo schlafend za den 
Füssen seiner Geliebten hin, da er sie nach all den langen 
und heilen Kämpfen orübtrt hat. Doch diese Schlaf- 
znatänrte sind doch finp sehen? Ausnahme; dij» Uegsl 
ist «fie quälende Schlaflcksiglcdt. So PT7älT;ite mir ein mit 
den höchsten AuszEichnungen geschmückter Batterie- 
kommatidant, dass er in den ersten drei iWonaten des F*ld- 
zuges an neun undzwan zig Gefechten teilgenommep und 
bloss drei Mann verloren habe. Zum Furch ten tiatte er 
nie einen Orund ind war nie ftirchtsam. Trotzdem tonnte 
er die ganzen drei Monate nicht sctiiafen. Er hOiic immer 
wieUcr die bekcmnicn Signale, die ihn zum Aufbruih 
liiahntLU, er criiiLietlc äinh iui Tiauiite m\ Befehle, die er 
unterlassen liatie, ti Ixäninte, wt-iui ci schon eiiiscliUef, 
dass er im Gefetlit stand und überfallen wurde, kuri, er 
frwaetite wieder mit f^er^klopfen, und er mu&ste aus der 



,jl -, Original fpom 

s*^ LNIVLRSifv'OFaUFÜRMIA 



— m — 

Front für einige Wochen nadi Hause gehen, nur ura sich 
ordmtlicli ausschlafen zu kOnnen, 

Es ist ein charakteiistisches Zeichen der Kriegsneurose 
Lind Kriegspsychose, dass alle diese Kranken neben gfrcsser 
Schwäche, Willenlosigkeit, ReiEbarkeit, weinerlicher Stim- 
mung; über Schlaflosigkeit Magen, Die Schlaflosigkeit ist 
so hartnidfifi, dass sie den gebräuchlictien Mitteln trotzt > 
Die Beätje[U[i^ kündet :^idi iitit dt;r Re^iilit;rung der Schlaf- 
fiuiktiuii aii. Dil: Kranken schlafen erst einige Stunden 
und dann noch viel mein, bis sie ciidlicii auf füiii bis scclts 
Stunden kommen, was sclioa eiu aus^iuideiLtlJciiei t:i' 
folg: i&t. 

So schilderte mir cii intelligenter Kranker seine Zu- 
stände: 

„Ja, Herr Doktor] Das ist das Schwerste! Wenn 
man scblaicn möciite und nicht darf* Die Augen werden 
klein, und der Kopf zieht aich zus^immefi, es koimnit über 
einai wie ein Schwindel. Dann aber Sälirt man in die Höhe 
und sagt sich: Um Hjmmds willen! Du wirst doch nicht 
achJefenl Denke an die Verantwortung! Ich li:^gann itiicli 
zu zwicken und die Augen aufiureiäsen, an dwaa Be- 
sonderes denken, die Beine zu streichen und OelenliS- 
übungen 2U machen. Endlich n^t die Z(^it, da man ab- 
gelöst wird. Nur einige Minuten, und ich sink* in einen 
ble^etnen ScfiUL Aber schlimmer ist tö, die langen Nächte 
die Au^cn olf^n zu haben und kcindn Schlaf zl finden. 
Wie ein Bilderbjch ziehen die letzten Erlebnisse vorfiber 
vind kehren immer zu demselben Erlebnis, zu meiner Ver- 
wundung zurück. Eine ideen flucht, die sich im Kreis dreht 
und immer wieder um einen zentralen Punkt roHert. Ich 
habe mir schon in den schlaflosen Nächten eine tirklänrng 
zurechigezimmert. Ich weiss nicht, ob sie richtig ist. . . . 
Aber sie kommt m;r rjc^tiff vor. Und das ist das Ma(i- 



>o^!< 



Orfginal from 

LNIVLRSlfv'ÜFttUFORMIA 



— JO — 

gebend L', [ch habe bei meiner Verwundung dem Tode ins 
Ai:ge g:esehen, kh siand vor deii Pforten des ewigen 
Schlafes. Nun merl(e ich, dass nidne Erregung: eiäfentHch 
eine heimliche, verstechte Angst ist. Die Angst vor dem 
tieferi ^hlüf, üus iitai nmin iiiiiit mthi eiwadit. Der 
Schhi ist der Zwillinjuäbrutler des Todes — sayt :jian. 
Nun, ich fürt:[ite tiJizuäctiliiLn, wdL ich dem Brudi^i be- 
gegnet bin. Ca hl der Lebnisiiistliikt, der U[is arnit: Sddaf- 
los£ iLJcliL seil k feil Ussl. ..." 

Ist es wahr, dass diese Menschen viele Monate gir 
nicht schlafen? Oder ist e& Täuschung? 

Es komtnm sehr häufig Mcnsthcn zum Arzte mit der 
Klage; Sie hatten drei Monate nicht geschlafcii, kein Auge 
zugemach ij sie hidt^^n es nicht länger mehr aus. Andere 
erzählen sogar von einem j,helbcn Jahr" und darüber! 
In all c lesen Fällen handelt es sieb um Sclbst-Täuschurgen. 
Es gibt Itcific absolute Schlaflosigkeit, 
die so lange dauert. Dies« Mensehen würden nach 
einigen Tagen zugrunde gehen, weil unser Organismus 
den Sclilaf benötigt, um während der Verlangßamung des 
Stoffwechseln die Chemiemeti dea Tages vor2ubereiten. Wir 
dürfen nämlich nicht in dae EKtrwn verfallen etid glauben, 
dasa Mangel an Schlaf nicht die Ursache schwerer 
Störungen sein kann. Vielleieht ist ea ein* der Ursachen 
der frühen Abnützunj^ mancher Menschen, dass sie zuviel 
den Freuden des Machtlebens huldigen, viele Stunden d^^s 
Schlafes ihren eingebildeten Verofnügen opfern und sich 
90 de& unbedingt notwendigen Seiilafmininiiims berauben 
Jeder Mensch hat sein bestimn^tes Maximum iino Vliüimtim 
an Schlaf, das sich nach dem Bedürfnis richtet, (Wenn ich 
über 6V; Stunden schLale, so m.iss ich das am ni^chsten 
Tage mit einer Migräne biissen. ich benötige eigen Jlith 
nur 5 Stunden. Aber auf diese 5 Stunden kann ich absolut 



>O^I 



Origina fnom 

^ UNIVLRSITYOFttUFORNIA 



™ 41 — 

nicht verzichten,) Es gibt aber unvemünfiige Menschen, 
welche sich nicht ihr Miiiiiiiujii i^oilikii, weil sie imnitr 
iiui Jer Jai^d nach Vt^piü^tn sind oder weil sie eijie ArJjeit 
fertig machen wollen. Sie öüsscn das gewiss in irgend 
einer Weise. Men&rhen, rtie ihr MiniTntim nicht erfüllen, 
sehen verfallen aus und altern rasch, neigen nach meiner 
Erfahrung zur Arteriosk]«ri:>se. Damit will ich lucht ba- 
haupien, dass eine einmal durch bummelte Nacht schäd 
licfi ist. So eine Abwechslung kann sogar erfriscltend 
wirlcai, Diese versa timteu Stunden holt der gesunde 
Ot^nismus bald ri^ch So erzibhn Menschen, die eine 
Noiidiandsreise ^eiiiacJit hdbni, Ja&» ak ohen im ewigen 
lag fast gar kein Schiaft>edürfnis ti arten aber nactiher 
alles nach geschlafen hätten. 

Auch das a.lzulan^e Schlafen iat ftir den Organ ismos 
nicht zuiräjrhch und erzeugt physiologische Störungen 
des Stotfwecheels. Es kommt zu Stauungen m einzelnen 
Organen, zur Eindicki^ng von Säften und anderen 
Störungen. 

Nicht 111 i( Unrecht iuhren manche französische 
Ftirscher Stein bildunj^ aller Art, FtjHsuttjt eti;. aui alUu 
langes Schlafen zurück. Meiner Überzeugung: Pach 
scheinen Gallensteine, Nicrenstdne und auch Migräne 
ei: HP gpfwigse Rpzjphiing zur| langen Schlafen tu haben, 
dadurch, dass inltolge der an einzelnen Stellen statt- 
fjndsnden Blutstauungex der AusJall und die Ablagerung 
von Rückbildungsprodukten d«s Stoffwecfceek leichter 
crlolgt, Aber eher verträgt der Organismus noch einen 
langen Schlaff als dass er absolute Schlaflcsigkeit auf die 
Dauei aushalten liönnlc. All diese Menschen, die uns 
erzählen, sie hätten monatelang rtichi yeächlareii, täuschen 
sich. 5ie gehen als Bew'els an, sie hätten jede Stunde die 
ülir schlagen gehört. Das mag stimmen, aber sie haben 



. . " Orn nsl fno™ 

°'ö"^'^' UNIVEFSlfvor ;^LirCRNIA 



- 42 -^ 

eben die Zeit zwischen dein Uhrensclilagen versdilafen, 
And^e Menschen, wieder glauben seh bf los zi; sein und 
Jieg^n in einem leichten Schlaf, wobei die Angst vor dem 
tiefen Schlaf mir das hervorstechwidete Moineiit zu ficin 
scheint. Sie wollen die Kotit rolle üb^r ihr« TraucngL'cianken 
nicht aus der Hand geben. Sie schlMüit sozusagen unter 
der Herrschaft des Bewusskeins. 

Wir überschätzen die Folgen der nervösen Schlaf- 
losigkeit. Die Angst vor der Schlaflosigkeit ist oft nur 
('inf: tAnsV& und verbirgt dif Angst vor deiri Schlaf A.ich 
f las spricht für meine Hypothese, dass es so viele Menschen 
gibt, die sicli vor dem Schlaf iürchten ts gibt Krankej 
die einschlafen und dann erwachen, als wenn sie von einem 
elektnschen Schlag getroffen würden. Sie 1 räumen, dass 
Sie einen hohen Berg fieriinterJaileti, in emeti gähnend en 
Abgruad stürzen. Über diesen nervösen Ruck, über dieses 
Gefühl des Fallens klagen zahllose Neurotiker. 

Nervös ist eben der Alensch, In dem der 
Kampf swischen Kulturmensch und Ur- 
mensch am stärksten tobt, in dem die 
psychische Spannung zwi&chen Bcwusst- 
sein und Unl^ewu^stem un erträglich ist, 
Gesund ist der Mensch, der die Balance 
zwischen dici^cii beiden Kiuflt;!! ^elunden 
hctt. 

Dieser Fall, von dem die Neivosen ersälüeii, stellt den 
5t ux^ aua der Ilölie des Kulturmci;isclien in die t.date 
Tiefe des Ui menschen darl Dtr uralle M>thos vom 
Sündenfall dtr Dämonen wiederholt sich alle Tage. Das 
Dcwusitsein ist der Erzßigel Michael, welcher die Finster- 
linge mit flammendem Schwert in die Tiefen der Nacht 
schleudert. Je weiter die Kultur lortacfireild, desto stärker 
äussern sich die Hemm urgen dea wachen Lebens imTrauraj 



>O^I 



Origina fnom 

^ UNIVLRSITYOF«LIFOR^II,^ 



— 4b — 

desto ^eriiigei iiiuss audi unacr bedürfnis an Schlaf 
werden. Dass wir je{zt weniger äclilafen, bewEJst, dass 
wir weniger Schlaf braiichen, dass der ,,Anfl(»r<^" in uns 
Ächwädiftr ist und riass die Menschheit einer hntwicklung 
iuscfireiietj die wir im Kampfe befind! ich er ÜtJeqgangs- 
menschen nur dunkel ^hnen können. Aber aus weitei Ferne 
streit uns ein Licht wie die aufgehende Sonne. . , . 

In vielen Fällen \on Schlaflosigkeit biicd: sich ein 
nterkwürdigtr Zusladd aus, m dem die Vorstelkinuf „Ich 
werde nicht schlafen können! (und morgen dann schlecht 
aussehen)" alle anderen Gedanken verdrängt Es handelt 
sieh lim eine Zwangfsvorstelliing, die meisi dazu dient, 
andere, viel bedeutendere üedanken zu ^^erdrängcn Diese 
Neurotiker denken den gainzeii Tag an den Schlaf und 
warten ängstlieh die $tjndcn der Nacht ab, immer in 
witternder Erwartung: Werde ich heute schlafen können? 
Natürlich stört die eigene Beobachtung den physiologischen 
PiOicesü des Einsthlafens. Sie quälen sich schon in dem 
Momaile, da sie sich ins Bett [&gea. Sie haben ein ganzes, 
trimpli7if'rti*$ /f^remonifll, hs gibt Speisen, die sie schlaf- 
los machen und bestimmte Bücher, die man nicht lesen 
darf; es gibt Menschen, die nicht kommen dürfen und 
andere, die günstig wirkcit. Mciat nehmen sie aus Angst 
vor einer schlaflosen Nacht das immtr vorbereitete Schlaf- 
mittel. Zu beicnen ist, dass bei dieset Axt voii SehlaEloseu 
das Sdilafbedürfnis L'igcnilich immer vorhanden is:. Sie 
leiden unter der Vorstellung des Nichtschlafcn- 
fröTinens mehr fih unter der Tatsache der Störung, Arzte 
vnd Patienten kennen das Phänomen viel zu wenig, dass 
Zwange|;edanken dazu dienen, das Gehirn fortwährend zu 
beschäftigen, damit es nicht an andere Din^e denken kann. 

Eine Frau ist ^blallof und leidet Immer unter dem 
ZwanKSMöJaiittn „Du katinsi nicht scülafcn und wirst 



T . Crioinal from 

''- usii'tnsiTvorcALiroRM^ 



.„ 44 — 

moigen verfallen and alt aussahen," Und docli Ut es dn 
^ati£ anderer Gtdajke, dei sie i|uäli Sit; iiat ituui Mann 
iüj rdüi;^ LiEJü jcütitil aiJ^t:L»liili Eür ^tiiiL LdKii. Aber ihr 
Herz gehört dnem anderen. Was für furclilbare Kon- 
flikte für «Q sciiwacJies, eebrechliclies Fratieihtrz ! Wo 
soll die Frau den Mut ndimen, die Tatsachea in Ihrer 
grellen Wahrheit z\i seticn? Darf sie sicti gesteheii, äas& 
dir ferner leiser Wunsdi dem Manne den Tod wünsch 1, 
ziminriesten die Möglichkeiten berechnelj die nach sei nein 
l'ocle entstehen können? So aber klammert sie sich an 
den einen Gedanken „leh kann nicht schlafen!" Er füllt 
ihr gan:ze£ Denken auä und lä^t keinen l^ren Üaum auf» 
komutcn. Eg ist, aU ob ^ni Stinime JiTunei' in y.ii£erieni 
Zimmer schreien würde, so d^ass inan nichts anderes 
denken bnn, als den Schreier zu enttemen. Nur das£ eine 
Zwjmga/omtellung ein impertinenter Sehr der ist, der nicht 
der rohen Gewalt weich L Am ehesten noch der sanften 
Überredung: und am sichersten der vollkommeAeni Au(- 
klärung'. Das Licht der Erkenntnis verscheucht die bdsesten 
Ein (frecher, die im Dunkel unserer Sede nach Schätzen 
fafijidt^. 

Ganz lädierlich ist es, was man vom Nutzen des 
Schlafes vor md naizh Mittemacht spricht, Es ist ganz 
gleichgültig, wann der Mensch das llirti notwendige 
Ouantiim Schlaf ahsolvjertK Es g;bl eine grcSSe Anzahl 
Menschen, die rags schlafen miissen (Backer, Wachürgane, 
Nachtkellner etc.). Darunter gibt es ausserordentlich viel 
gesunde und robuste N;(turen. Abier ich habe ja die Neti- 
rotiker erw^ähnt, welche sich vor dem Schlafe bei Nactit 
fürchten. Das ist ein ganz eigfenariiger Typus. Sie ver- 
bringen die ganze Nacht schbflos und schlafen erst ein, 
wenn der erste Lichtstrahl erscheint. E& fiandelt sich um 
Menschen, wdche eich vor dem Dunkel fürchten, weil die 



EiQiriiedby IjOOgk u^j vmrVOF CALIFORNIA 



— 46 — 

Nacht die Domäne des Verbnechetis sat. In der Nacht 
envactien die verdrängtej] Wü Et sehe und zuriickgehalkneti 
Bt^gicrdeü und erst das Licht des Tages gibt iürien die 
Sictierheif, dass sie all dit' tlunklen Plän&^ die in ihrer 
Bruft .ächlummem, nicht a^isfühnea werden. Daa ist mehr 
eine schliir.nie QewoJinlneit, als ein Leiden. Denn ich habe 
es schon erwähnt, dass in solchen Fällen der Arzt als 
Eoieher wirken muss. 13esteht er utierbitUich und kon- 
sequent darauf, dass diese iVlensttieri des Morgens e:e\^eckt 
werden und sofort an ihr Tagewerk gehen — jrleichßültig:, 
ob sie geschlafen haben oder niclif - so fordert nach paar 
im ruhigen Tagen der Organ isnus sein Recht und sie schlafen 
Uaini retlitzeitig ein. Diese StliMlujijjkeit ist alsu um 
eine An^f vor dem Schltde. Denn es ^ibl MhiäIjch, die 
in einem Traviinzustande Verbrettien bejjehen, Davur 
füiichlieii die^e Meiisclieiu Sie füicliitn, sicli in dem Trau in 
£11 verliejäL! 

Ich mjSiS aber h:er ein I3^ej&pi(;l eiiählen, um darzutun, 
wie diese Angst vor dem Schlafen oci Nacht tntstehea 
kann. Mehr als alle Theorien und Gcd£nkcn beweist die 
Eriahrung. Ein einziger Fall sus der Praxis niacht alle 
Theorien ijschanden, Ich will jetzt von einem Mann 
sprechen, der achoti stit 5—6 Wochen heinen Schlaf ünden 
konnte, erst des Morgens um |i.4 Uhr cinactiliefj nach 
4 Stunden wie gerädert und zcrach lagen aufstand und an 
dicciintönige Arbeit eiiiea kleinen Fabriksbeamtsn gtng. Um 
nijch kurz zu fassen: Ich Iconstatierte als Ursache dieser 
Schlaflosigkeit die Idee, die Frau und dit beiden Kinder 
mil Leychtgas zu vergüten. Der Mann war ehrgeizig, 
IcidenschaitUeh, störrisch und muesle eich jetzt in die 
strenge Disziplin einer täglichen, kärglich bezahlten Arbeit 
fügen, weil er verhciratei war. Er hatte *cine Frau nicht 
aue Liebe geheiratet, ßondern weil ein leicht angekn'ipftes 



>O^I 



e 



Origina fnom 

UNIVLRSITYOFttUFORNIA 



- 4& ^ 

VeiJiäl[[iii> FülgHi uezeiti^ fiattt. Der Bruder des 
Mädi:]itfjjb zwaag ihn mii dem Re^'olver in der Hand zur 
Ehe, Nun räclile siel: diesci Zwnn^ uiitl dti' Maitn bt^ 
handelte Frau und KitiJer ^cEjlcclit miü halte imi eiiieci 
Gedanken: ,,Wenti ich jetzt nicht verheiratet und l«dig 
wäiC; ginge ich nach j^mtrika und würde mir ein neue« 
Leben schaffen,"^ Zu di^em „Lpdigsem" sollte ihm das 
Leuchtgas vcrticlftn. Plötslicli, h^tte er von seiner Frau 
verlangt, sie möge Gas in die Wohnung führen lassoi. 
Von dieaem Tage an war seine Schlaflosigkeit aus- 
gebro<h[^ii. Fr stand zehnmal des Nachts auf, um sich zu 
überzeugen, ob die Hähne gut vcrachlosaen warciij ob der 
Gasometer gut verschlossen wäre. Er wusste nicht, dass 
er mit deni Verbrechen spielt^j denn dieser kriminelle Ge- 
danke, von dem icli sprach, der war ihm nur eine Sekunde 
lang („wie ein Blitz!") durch daa Gehirn gehuscht Des 
Nachts erwachte der Verbrecher und der moralische 
Mensch setzte sich zur Wehre, Er kannte aber sein Inneres 
nicht und erst durch mei:ie Auitlärungen kam ihm die 
voUe Erkenntnis des in ihm lebenden Verbrechers, verstand 
er den Kampj zwischen diesem und dem Moral menschen. 
Der Kampf endete mit der Überwindung dieser kriminellen 
Instinkte. Er fügte sich der bescheidenen Real: tat und 
venichtete auf seine ehrgeizigen Pläne. Die harte «"■ 
lieherische Arbeit des Seeienarztes führte einen vollen Er- 
folg hfrbfti uiifl pb ihm df^n gr*si in rtfin Schlaf vergangener 
lAgp. wied^r. 

Ich hsbe sdifin von d(^n Menachftn gesprochen, dre 
leicht einsclnlafeTi und dann mit einem Angstanfall aul- 
wachen. Sie haben das Gefiihl, dass sie eilen hohen 
ßergf liinuntergefalleQ, dass sie in eine Jurchtbare Ti«fe 
gestürzt sind. Das Erwachen aus solchen Träumen mit 
Hetzkloplen führt oft zu dem bekaniiteti Bilde des Angst- 



JU^I* 



Orfginal from 

LNIVLRSITv'ÜFCÄUFORMIA 



X7 



Unfalles bei Nacht. Die Menschen haben das Gefühl der 
droiiendeti Vemiditxaig, Sie fürchten, sie müssten bald 
sterben, ihr Heri klopft zum ZersprinB:en. Meist ver- 
langen sie stürmisch einen Arzf. LebensseJinsucfit und 
Todesangst gehen Hand in Hand UQd erzeugen so die 
bekannten Krankheitsbilder. Aber nicht nur Ailälle von 
Herzklopfen, aucfi Scliüttelfrost, vermeintliches Fieber, 
Asthma können als Folge unbewussttr Affekttntladungen 
dm Schlaf stören. Sa kommt eine merkwürdige f^orm von 
Schiaflosigteit zustande, wobei die Kranken einschlagen 
und nach 5—10 Minuten mit einem Angstschrei erwactien. 
Das kann sich die ganze Nacht fortsetzen. t>r OlrerganEv 
vom bewussten ins untjewiisste Geistesleben gelingt nicht, 
weil die moralischen Hemmungen zu stark sind, weil die 
Angst vor den eigenen tiedanken sich zur Angst vor der 
Tat verdichtet- Aach die Angst vor Einbrechern und 
Räubern kann, leicht kcmf^iniert mit der Angst vor 
Geräuschen, Ursache der Schlaflosigkeit werden. D;e 
Aügst vor tmbrechem maskierf oft die Angst vor 
hemmingBlosen Wünschen, von denen wir ja leicht an- 
nehmen, dass sie wie übermächtige, fremde Gewalten in 
unser Inneres eindringen. Immer glaubten sich naive 
Menschen von Dämonen besessen, wenn sie leidenschaft- 
lichen Impulsen ihrer Natur geiclgt sind. Wir schieben 
immer gerne das, vtas von Inntn hc-rauskümmi, aitf äussere 
Kräfte, und vieJe Geisteskrankheiten, in denen di& Kran ton 
Stimmen hören und über Verfolgungen klagen, sind nichts 
anderes, als eine gelungene Projektion innerer VorgAn^jC 
nach aussen. 

Die Angst vor Geräusch«! kann auf di<; gleiche Weise 
erklärt werden. Ich will als Beweis ein kleines Beispiel 
eigener Erfahrung anführen: 



I-, !• j L. ^fijiiilfj' Original fnonn 



— 4a ^ 

Ein alter Herr klagie darüber, das& er nicht einKhUiea 
Löxine, w*il über ihm zwei Idchbinnigc Bur9then wohnten, 
welche ep^t nach Hause kamen und die Tünv S9 laut zu- 
sclilügen^ so dass sie ihn auf^^' echten. Darüber ärgere er 
$ich natiJrlich ungehe^uer und dann sei es mit seinem guten 
Schlafe vorüber. Hie Analyst Hir^ps Falles ergibt aber^ 
dLSS itin diese b urschen an einen hall erinnerrj, an den 
er tiictit denken will. Er liatte einen Idchtsirm^en Sohn, 
der immer späi nach Mause kam, viel Karten spielte, in 
der Bank eine grössere Summe veruntreure und schHess- 
liUi uüdi Amerika üurtlLj^eheiL niuäste. Dieser Sohn hatte 
seinem reinen Namen Schajide geniachL i^i war für ihn 
tot und es durftt von ilim gar nicht gesprochen werden. 
Aber in dieser Form meldete sich die Erinnerung, meldete 
sich die scheinbar begrabene Liebe und Sf^tin^ucht nacii 
aeincm verlorenen Kinde, 

Es wäre noch viel zu sagen über 2wangaworte, die 
im Schlafe stören, v/eil sich hinter ihneii ein Affekt 
verbiirgt. Welche üalerie von Mensdien, die sich nicht 
kennen wollen, sehe ich vnr mir! Den Manti, der stunden- 
lang- ifl der Nacht das Wort „Mimik ri" spreth&n muss und 
nicht weiss, dass er da&ti an seine verlassene Braut denkt, 
d:e „Mimi" geheissen liatte, Femer den Mann, der das sinn- 
ig;:»); T^MuitattUer''' eine Million Mal« wiedeiholen niuss 
ujid sich darijbei keine Rechenschaft gibt, d^iss er an Ver- 
giftungen denkt. (jMort |Tod] — Der Tod auF dem Tcher.| 
Ea iat dies der Manila einer Vf «rat, Ein Bcitannter hatte 
sich durch dea Oenuss einer Mortaieller eine schwere 
Wurstverg^iftung geholt, die ihm faet das Leben gekostet: 
hltte^ Er kämpfte nun mit der Versuchung, eine ihm im 
Wege stehende Person zu vergiften. Es gibt mehr ge- 
heime Gifbn Order unter uns, als wir angeben mönhtfin. . . . 
Anrtf^np Pjitiftnten eryähilten mir von unsinnigen Zwangs- 



ÖQHi;- ?JC 



C^fcinal fnom 

univer^itVofcali=crma 



4^ 



hdLnd\\Jua.gai, die sie aicht sdilafeu lass€u. Icii keiLie 
keJLieii Uii^lnn im set-lisclieii Lebi^ii! Die uiisiniii^i^leii 
Wollt, die Jiiaii iiiecliaidscli iiersagt uiiij dit: nicht schl^fai 
lassen, dm eil dcita Wiedegliduiij^ luaii d^ Sdjl«if vi- 
zwiiigtii will, veiiieteu widiti^^t iuutie KiiiJL|:tft:, rt^piä^^tii- 
liiemi eiiitai sciiweieii „Psytliisdit![i Kurifliki;", OestMi, die 
Sctilaflost; vur Uwu Einsthlafcrj wieüerhülai irtüsi^ii, vtJ- 
läieii diit; ipdimt^iituie Darätdluiiv; t^iiier unterblitlH^riai 
lluiidtuii^, zu deruk Ausführuii^j dem Ntnirutlker &d^ 
„rubuste Oewiaseii" fehlt. Jede GtsEe ist ein Symbol, 
hinter jedeni Oedankea, hinter jeder Bewegung, hinter 
jeder Re^urg lauert eine Leidenschaft Mdodieo^ die utis 
verfuliy^a], enthalten Warnungen, Mahnungen , . ., Ver&e, die 
uns einfallen, repräsenlieren Bruchstücke au3 unseren 
Lebens-Tragüdien. Wir mögen hundert Fälle von Schlaf- 
losigkeit, sü miissen wir eist auf jene iVlomcnte auimerksam 
kommm, dass es die Mekte sind, die den Men seilen nicht 
schlafen lassen, 

Wenden wir jus nun zur Behandlung der Schlaf- 
Icsigkeit, so müssen wir erst auf jene Momente aufmerksam 
machen, welche physiolog^isch notwendig sind, um alle 
Bedingungen für den guten Schlaf zu schaffen. Ich habe 
schien erwlhtit; Der Körper darf nicht geschnürt sein, für 
notwendige Betrwfärme muss gesorg: sein, Das Schlaf- 
zimraer soll gut gelüftet sein. Geheizte Schlafzimmer sind 
ein Unfug. Die Wärme muss durch das Bttt erzeu^l 
werden, nicht durch die Luft! Das sind Dinge, die 
sich leicht erzielen lassen. Aber trotz aller dieser Maß- 
nahmen tritt in vielen Fällen der Schlaf nicht ein, wenn die 
Grösst* der Affekte eine permanente Erregung der Grass- 
li im rinde unterhalten. Nun versuchen viele Menschen, 
den Schlaf durch Schlaimittd zu erzwingen. 

I$t«k(t], I).-r \\\Uf. XILI1I B^liliil! 4 



_ ^. j ._ /"^f-i, 1,1,1,» Originalfnom 

D g4i2e<J by ^:.UU^lL UNI VQ^Sir OF CALIFCRN W 



— 50 — 

ts tsi schon ein FehJer, lortwährEiid tihier sdnen 
Schbf tiacb^udf-nken, ängfitlich dl^ Stiinri^^n tiea Schlaf e^ 
zu hotitroJliereii, sidi schon mit der frage zu Bette zit 
legen: ,fWerde ich heute schlafen?" Hinter diesen Fragen 
verbirgt Sich oft eine Angst vor dem Schlale und den 
Traumbildern- Solciie jMenscfien wollen sich nicht kennen 
und wollen die "Welten des Bewusslen und Unbewuaslen 
strenge trennen. Sie greifen zu Scblafaütteln, welcbe sm 
ganz betäuben. Leider Ist das Einnehmen von Schlalmittela 
der eigentliche ßeg:inn der schweren, patliologisctien 
Schlaflosigkeit. Bisher konnten die Menschen noch ohne 
das Schlamm Utd ^usltüniinen; bald haben sk sich daran 
gewöhnt und nun fordert der Organismus das tätliche 
Narkotikmri Ea bilUd blch die Auj^st aus, datHi i^ie uliue 
üdü iiarkotiijclie Mittd iiidit werden einsdikleii küiULtnu 
Die Dosen des Najkolikuin& müssen gesteigert weixlen, 
so dass acliliesslicii &us dem Sclilafloäeii ein Toximane 
wird. Wälirejid es fiiilier nur MorpLluistea gegeben l]at^ 
haben wir jetit Mttischen, die durch Jahr* hindurch un- 
gtaublithe Dosen vcn Verona!, Sulfonal, Adalin, Bromuial, 
Luminal, Trional, Parakieh^d, Chloralhydrat, Codtoital, 
Hypnoval usw. einnthinen, Dieses gewaltsame Erzwingen 
des Schlafes geht nicht ohne Schädigung des Organiamus 
vor sich, dcim alle diese Mittel aind mehr oder weriger 
giftig \md können zu chroni^hcn Vcrgifl:ui>g9erächcin,üngeii; 
und zü schweren Schädigungen dc3 ganzen Organismus 
führen. 

Wer meine Ausführungen aufmerksam gelesen hat, der 
wird ja gelernt haben, dass die affiektative Spannung den 
Menschen nicht schlafen läsfitj däss die Schkf losig l^elt «iner 
Angst vor dem Schlafe entspringen kann. 

Schlaflose Menschen sind seelenkranke Meischen 1 
Sie bedürien der Heilung ihrer ki'anken Seele. Prüfe sich 



>O^I 



Origina fnom 

^ UNIVLRSITYOFttUFORNIA 



— 51 - 

jcdei, dei sclilanos ist und ItRe üie Suud« in seine Herzens- 
wunde! Nur die Erkeniilnis hann heilen, Nur dei 
Sehende Itaiin sich von seinen Leiden befreien! I>er BLiide 
kämpft im Einsleren Zinuner mii: einem unsicti Linien 
Gegner, . . . 

Es tat eine lächerliche Welt, die vor sicli selbst 
Kcmödie spielt! Es sind geislige Krüppel, üie nictiL den 
Mut haben, sich zu sich zu bekennen und sich zu aag<:ii: 
Du kämpUt mit dem Bösen! 

Lieber laufen sie fcu allen Arztca und bett-iclitin St 
Apotheker, ruinieren sit ihren Körper, als tlas$ sie* sich 
eingestehen: Du bist unglücldich, Da gibt t$ verliebte 
Frauen, die sich einen anderen Mann ersehnen, als 
den, der ihr Besitz ist; da gibf e$ Jungfrauen, die sich 
nach der Erfüllung ihrer heisaen Sehnsucht verzehren; 
da gibt C3 „brave** Ehemänner, welche nach einem neuen 
Liebe^objekte schmaciiten . , , alle schlafen nicht, blicken 
in das Dunkel der Nacht, klag^en über Stoffwechsel und 
schlechte Verdauung, greifen nach ihrem Herzen, füttern 
sich mit allcrki Narkcticiä und wollen nicht wiaacn, was 
ihnen in Wahrheit fehlt. ^) 

Alles Unglück der Welt atatnml jtjs 
diesem Nicht wissenwollcn, aus diesem 
Ni chtsehcn li önnen, aus diesem Hicht- 
deiikendürfenl 

Der Mcnäch nius3 den Mut haben, das flaupt der 
Mt^diisa anzublicken. Doch genug davon. Ich mii^te 
sonst aus dem Vortragenden Eum Prediger und Propheten 
werden! Der alte Satz: Ein gutes Gewissen ist ein 
sanit«& Ruhekissen, enthält die ganze Lehre der Schlaf- 
losigkeit Glückliche Menschen werden nie über Schlaf- 

I) VerfileiLtie meire kleine Brochüre cDas neivöse 

n e r z ». (Verlag der liüfbutlihandJ ung WallishaustrWlen.'i 



_ j. ., /"^f ,j v,,l,j> Original fnonn 



— 52 — 

losigkdt klagen, Sie können in freudiger Erregung ehisiial 
eine Nacht nicht schlaftn, aber sie kenrejt deii diioui&dieu 
Zustand der Schlaf loai^Jidt nicht 

Man sieht also, dasö die Mittel gegen Schlaflosigkeit 
nur selten aus d*r Apotheke geholt werden können. Hier 
und da wird der Arzt tin Bcnihigungainittd raten müssen. 
Das sei aber nur seinem ErmcsÄcn überlasaen. 



Der Naturforscher, der $ich vj^nn geredet hatte, hielt 
plötzlich inne. D*r Philister war sanft eingeschlafen und 
h6ne nicht zu, 

,,La$$ ihn sctiUfen/' sagle der Dichter, „Er wil! nichts 
mit der Wissenschaft zu tun halben. Du zerstörst ihm di« 
schönsten Märchen, ... Er wird jetzt glauben, daäs 
Domröschen hysterisch war und einfach schlafen wollte, 
bis ein rechter Bmutigam kam, um jung zu bleiben, wit 
die Karoline Ollson, von deren wunderbaren Schicks-alen 
du uns erz^lfilt hast,'* 

„Das muss ich wieder dnnial erklaren " antwortete 
der Philosoph. „Das Märchen heisst nur' Jedes Mädchen, 
das nocii nicht die Liebe lennt, schläft und erwartet ihre 
Bestimmuni^, Mutter und Weib zu werden Leben heisst 
Lieben Die ülison hat nicht gelabt, wfsl ?.ie nicht grehehi 
hat;* 

j.CJdpr sie liebte ihr« Kindheit zu sehr," setzte der 
Naturfi^itficher friTt. ,Sie hat vielJeichl viel zu früh ge'iebt! 

Seht, ihr hreiinde, riiÄseÄ Mädchen hat die ganse Zeit 
verschlafen, da sie ein Weib war. Sie schlief mit Eintritt 
der Menstruation ein und erwachte erst, als sie das 
Klimaktcr-um erreicHt hatte. Viel]e;ctit halte sie sich die 
ganze Zeit übsr für das Wunder vorbereitet . . ., vielle:clit 
wollte sie eiwas Ausserordentlicties sein. Menschen, die 



I Originalfrom 

i.fU^H. LNIVLRSITv' ÜFttUFORMIA 



- S3 — 

leben, gibt es ja &o \kh, aber Menschen, die ein Lebea 
versdilafen — da war sie die Einzige. Und icli gflaubt, 
das \u wohl der stäricste Wunsch, der uns alle be&eelt: 
Nicht unterzugElifn in der AllgBiiieiiihEit, sondern dvuas. 
Besonderes lu sein, das üinzige, die Au^tiaiime, das Er- 
eignis,*' 

Der Drchter aber meinte: „Ich gäbe etwas darum, 
wenn ich die Traume wiaacti könnte, die das ganze Lcbai 
durch den Kopf der Schläfer in von Üktiö gegangei sind/' 

Er hidt iniiei Ein lautes Sciuiaiclieji des FliilisltriS 
stöde ihn, Sie blickten den Träumer an, der p]öt2licti 
,,Solo-Pagat Ultimo r* ausrief, und lachtea, 

Der Dichter fiber s^'tzte fcn. „Seilt ihr, dem Mfiniie 
raubt selhsc der Krieg; nieht den ruhigen Schlaf. Er iräumt 
vom Tarockierea. Er k^nn an seine kleinen Freuden und 
Leidicit dcnkeiD. Ich bin immer in dtr Ferne, immer auf 
der Walstatt, vro das Los Lnsercs Vaterlandes entscliieden 
wird. 

Trtiijme ich oder schlafe ich mit offenen Angen? Ich 
fliegE im Zaiibennaiitel des hinltenden Teufels über die 
Dächer der Stadt und weit hinaus mit tmiieimlich^r 
Sehndligkeit über ganz Europa, Icli selie Mütter, löchtef, 
Söbne^ Seil weitem, Krieger j vom Gemeinen bis zum 
General j schlanos die vtrrinnenden Stunden zählen und den 
Stimmen der Nacht lauschcri, AI* wollten aic dieses ge- 
heimiiisvdle Dunkd duicliUnHgen und la die Zukunft 
blicken, als wollten sie ihre Lebenatage und die ibrer 
Lieben zählen und vorherbestimmen, Und unter mir 
reitet der Tod, nicht das Gerippe mit der Sens^, nein, (^in 
bieicber, schöner, dunkelgdockter Mann im schwarten Ge- 
wand einefi mittelaltedichen .Aj:ztes, und scbliesii so vielen 
Leidenden und Ringetiden die Augen für imm&r. Meben 
'hm jagt sein Z will Inga bruder^ der ächlaf, ihm rum Ver- 



A -, Crioinal from 



U^l^fEnSITVOrCALirORM^ 



- r*4 — 

fteciiSif^lEt äiiTilidi, nur Meiner tmd nicht so bleich, und 
rast iibi^r die StStlen der Verwüshing seitieiti Bmvder nacli^ 
ohne ihn zu erreichen. Fin grausiger Wertkampf xwiache:i 
Schlaf und Tod. 

Und ich merke, dass die Welt uns ein gewisses Alai5 
von Schlai zugeteilt hat. Der Tod raubt seinem Bruder 
die rdctien Gatsen und wandelt sie in un^etieute ewige 
Zeiten um. Die Milliarden Stunden SclilaJes, die verloren 
jehen, werden Ewigteiten. Das Unendliche ist die Summe 
von zahllosen Ertdlichlcelten. Hände sehe ich. die sicfi 
flehend nach den Brüdern aussirstken rnid sie erhdscheii 
wollen, fiiife iiOre ich , , /' 

Seine Stimme fistickte in Tränen. 

„llait tili, Biudt;i . , " spradi dei NülüiiuiSitljL'i. 
„Du bist etil Diditici- I[i UJS ülleu lebt Uei Dichte;, der 
Philosoph, der Naturiorscher und der Philister. Alle; 
Lebenskuflst hängt davon ab, d iese vier Elemente des Kul tu r- 
mensched zu einer Ciniieit z u sa ra neu zj seh weissen, Und 
grosse Zeiten wecken den Philister und rufen in ihm dcii 
[-Jeldeii, der Dichter und den Philosophen wach. Lasai 
uns auch unseren schlafenden Freund aufwecken, wie wir 
jeden Philister zu neuem Denken, ku neuem Fühlen und zu 
neuen Taten rufen >ä'o11cii." 

Sic weckten den Philister, der sich die Augen rieb 
und gerade aus dem Traume „Kontra ' gerufen hatte, und 
wanderten ihrem Ziele entgegen. 

Wien ijti Januir 1^15. 



I Origina from 

JU^Hw UNIVLRSITYOFttLIFÜRNI,^ 



— 66 — 

Von Dr. Wilhelm S:ekel äind folgPTide Biicher er- 
sctiienen : 

im Verlage voti Urbiti jnd Schwarzen fcerg [Berlin und 
Wien): 
Nervöse Angstzu stär de und ll're Behandlung. 
|[, Ajfkge. (ErstcT Band des Wcrkts w-Störiingcii des 
Triet> und Affektläbens^O 1^1 2< 
Die psycH^chen Sltirurij^pn d^t ^exnalfuTiktior. 
Eine Darsielluiifi tler see;ischert KranklieltEri des Oe 
süileciitjlebetis auf psydiologisclier ü rund läge. (Zweiter 
und dritter Band der «Störungen das Trieb- jnd Affekt- 
Iehens>.) 1<315. 

fm VerUge vor. J. F. Sergmann ^n Wiefihafien: 
Dichtung und Neurose. Bausteine zur Psychologie des 

Künstlers unc des Kunstwerkes. 
Die Sprac-ie des Traumes. Eine Darält^'lung der 

Symbclik und Deutung dca Trajmes in ihren BcEkhutigcn 

jur kranken und gesunder Seele. 
Die Iriime der Dci", ter. Hine ver£lei;:iiende Unter- 

siictiung der unbewuas:en Triebkräfte bei Diclte-rit 

Wctirijtikcrn und Verb reche rr. 
Äskulap i'.s Hsrle:iiii. liLmorj Satire jnd fhänta£i& 

ms der ärztlichen hYaxis. [Unter dem l^seudonym: 

Dr, Seren LS.) 

Im Verlage der Wall sliauser'schen hofbuclili^ndiunj 
(Paul Kutpier) in Wien diC: BrochürCn: 
UiSitclieri der Nervositüt. 
Kcusctihcit und Qcsurdhcit. 
Das nervale Herz. 

ferner die Düchtr: 
Was im Grund der Seele ruht 
Nervöse Lftu \f. 



Im Verlage votl Otto Saiie In Berlin: 

üaü liehe Itli. Qriindrisi; einer nsuen UiNletik der Seele. 



Diq,(iz€d ty kaOOgiL usivEn^iT/orwuronNW 



vorlag van J, F, BERQM^yN in Wiesbfl4wi, 



Aeskulap als Harlekin. 

Hnnior] Sattr« und Pliantasle aus der Praxis» 

Tyij 

Dt, med, Sfreanä« 

Preis Äk. i,m, 



"Wtiui Je eia FöBudonym £utr«ll«nd ^«iPitilt vor de, so ist es 

bei vurlie^oJem Önctö der Fall, welchea in der Tat jeae un- 
mutige uni trftrdigft Heiterkeit ntmet, welßhft (lerRftuiftT wit <ii*96iii 
BefiiiiF zu verbiDden pflegte. Eine Satire, die upfer zagreift und 
EicliiCf Lrift utid doob dufcti gfittlidiüii Humor gcmild-cri Jiutli 
uri'Rhlf^rätEhlJrhn TTmuil- f^^lbs^t diiti ''Tätrcfleueo auf die h^j^it.A dar- 
Lacber A'niiiglif das iat ds, was vix alle bTHnchen. Das iat es, 
ww de*' Arxt trftucli^ «tor si'jh ^^m dw Tdg«^ Mfthfln u«^ Li*et 
erhol«!), der sich ivirlclicb Huftiiscken will. l>a» igt ea, was der 
h»K VfHucht, um im Arit den „Erzidb^r" ktiiiui;ii zu km«]). 

J*W Frawiftarst, 



Dicbtimg nnd Nenrose. 

lauitftiie zur Psyeholagii im UlDstiors mi du KursinfirkeE. 

VoD I>r. WUiclii Stelel in Wien. 
ZV« 3 Jft. i!.— . 



Das Problem des Scblab. 

Vcn J>r. Cinst Trümner Lu üaiuburg. 

Der Schlaf im Kindesalter und seine 
StSmiigea 

Y«D Dr« dt dachaJfeibnr^f Piufeesur au dvF Aluid^ujie ia £ülia,. 



>O^I 



e 



Origina fnom 

UNIVLRSITYOFttUFORNIÄ 



Verlng von J. F. BEKGMAK^i" in WiesbaJcTi. 



Sexualleben 



und 

=== Nervenleiden. 

^ebst ei rem Anhang 

Über Prophylaxe und Behandlung 
der sexuellen Neurasthenie. 

Ton 

Y\o\i^\ DFh L. Loewenfeld 

Spezialarit (Hi N^rvenltreiilclieiiea in Mdaclien. 

FM im Teil uriearbeitete uid sehr vermehrte Mage. 



P«ii Mk, 11.- geM. Wk, 12.-. 

Aus Rflsprefiliungftn. 

Der Wknitnt« MüDcli«a«r Nfirvcn^nt b^t si«li ancb in <S&r 
Torli^^Ddeii DE neu Au fliege »Ig qid treftlicLer und ]c«DBi:DiQrnciiiei 
G«lebrter erwiesen, der ins schwielig« ü«bi«t dea Zuaannmefl- 
kau geB 2wiBcL«ii Sex.ua] l«b9D und Nervenleiden in h^rrorrAgetid^i 
Weiäts li(»lLetiiai;liL Anteil it:1jt,« dt>r wex;lie«iicle]) LiUratiu' llber 
(Las Tb«nfi und der ugumii Erfabningcn und Kennüiisse darüber, 

di« Verfa^aeF in aiiigiebjgäi' W^ige vst^trieA, und erDrtert, iai 9b 
natQilich, daas das neue Ilucb einen trbeblich gitifMereo In hei t 
AufTciat a\s di« f ruberen Anflag^L. tS^eu eiu gefügt n^urd^iti auch 
di* Rnpic«! über tiervös* niid psycliiscb« StUrutis«» wölirenJ d&r 
Gchwär.^atficbsft. i*!9 "Woch^nheti^ß und der Stillperiodt. Zu den 
MeiaiiiigBT«rsi;hiedeaIieEte&, im b«zü£li<;ii äes aexuflJleb«!)!} in 
ki^diziniaobea Kroiiseii b^rrsciboE, bat dar Autor in ohj aktiv jt#T 
W«iE)4^ w«iii HUfli mit. sälb^tvei^tivdiiclKr und b«]'echiig:it«r 
HervArkehrung seiner eigenen AnschnuungeQ und AulTaä«un^eti, 
S^tellun^ gteuommeD. So biclist dna Werk nock nt«br aia tieher 
tu Seiner neueeien Auflage eine wertvolle Deieiobering dei 
wi^diiimsthtti BUcber^cliätzeB, sugleicb aber aucb eire be^eutsain« 
Fundgrube für d«ti Netvsrftrit wie fttt dsn praktiich^ü Ar^t 
Wir Jt{)iiae:n ita Dutb auf« «rlUmate em^telilec. 



I-, !• j L. (^ t^i iiAij^ Original fnonn 



Verl*g von J. V. BERGMANN in Wiwbaden. 



Grundzüge 

der 

Psychologie fflr Mediziner. 

I>r. Heiurich £HL»iie> 

Frfiv Mk. 9.—, u**. SSk. W,^. 



Aus dem Inhalt: 

EialeJciing. -^ Aut'biu and ^unktioaea tier Parcbe. 
-- I. Diu elementarer. Erlobniesc. — IJ. Die p&yi^]iisch.(;n öruni]- 
lbDtticm«[]. — 111, D:e ^imtände der l'^vtlie. — IV, Psytliische 
Komplexf) und EutmckeJuDgeE. — Die Htüniagen dei" 
Parctc, -- A, Die rciacn Dcfottc. B. St&riiugeii dca ^ct- 

stefleri», ~ \^, Pfithölogje der GefuMe iini Afi'fikt« , — D. Tauadi- 
UDgsn im«) VHrimiTigtiin. 

Über den 

nervösen Charakter. 

Q-ruiidziigc einer veTgleioheiLdeii ludivHual-FttjrQhoLcgid 
and PsyakotlieiApia, 

Dr. Alfred Adler in Wien. 

Jedenfulk mu^e^tüiL (.'htircot und Jt,ii«t, Breuer nnd 
yr^iJ eawirkc haben, damit dicfl üuch Adli^te koniinän 
tiäniltc. diu (ioTutn unser [atcrcsac {aa&alt, vfhü es, v^u aar 
NfrurosE! avsgeher.d, eine grundlegende neue Theorie 
inr KprTnHihkt eiitwir:k£4t, iür flina p^».^^ Zuliinft hinbcn mngL 

Qhnci jct£b, bald auch dciri ErfsCJidnen ^iäSää btidäut- 
»striQii Weikeaein Rad urteil aiigzuspirecüien (denn ti&vm Ide^n 
in Affr WiRHFtDNrhAft wrllRn Inng« gAprilft und iirirg'l'')i[t.[g vf^rifiiii^rt 
aetE), möge El dieaa ZeileD, kurz referierend, nur die Aufm^rk^amkcii 

weiterer Krüise Jcr Oetildcten aDrci;(?r, wobei viel hOfhai: iüter- 
«t^HTibe Delail&fiiv^iiKinng^n itn^'i'wtJriitt bleibpu mai»ea 

FVanlcfw^ier Zeituntjt 



_ j. ., /"^f ,j--i,,lr^ Original fro™ 

Dg4iied by L.LK)^lL UNIVLRSTYCF Z^ir-ÖPm 



VMlfif^ VAU ,7, F. BERCMANir üi WleiLadea 



Die Umweit des Lebens. 

Eine ph/sikallsch-chemische Unier^uchung über dfe Eigriung 

des Anorganischen für die Bedürfnisse des Organ i&dien« 

Lawp«ne* J> ll«nd*i-*on 

TtvUmnvr der liiglv|r!»(lj*'a Cbtüio im dtx CniVurA UuiTPnJljp 
Ifbich ^«Tq vijiii VerfianaEr v er besser len uud erweitcittii 

ron It. Bera»t«lii. 

frei$ Jfi*. n'i.— , '/f&tfsrffM 3fi% 'S, äff, 
Ans dem In h alt' 

1. Die ElgntiDg. 

Zwsc^ andUnJoinff, — lija Kipiiutff, — Di? Uuijfebunf, — Die Hatvrie. 
Difj Caargio, — Raum uqI 7.a[;, — dar i^r|rtnEsui rnJ, — Dil ^täffnacbsel. 

hh Dijanlsclw diEuiile. — 1> t> Ch*rnklU)rbilik im Cnjln-ns. — J'«h V'rüiblöini. 

II, Dici Um^cbuD^t 

ileiniDiaiä. -^ W«;.uliü lu.jf^boH); tel iJiA lür tliä Leb«» liCiff'ii:II«V ~ 

Die (jruildtHatllllJlailti (l«r LTmwvIli — EPidjüliigB Fihniiiil.cruiK im Pn^Llvui«, 
t)\* Uathoda d(T LJSaanp. 

IIL Vaa W«äaeit 
AHtrcmHlne KetrAChtuntten. — TliHrmis^fie £ KSOMtuftö::!,— lio i^rwin^tio 

Wll^j, — rUft litt^nte Wjjjrcia, — Dil) Wln>i>1fstfjhi^^dt, — - iJlt AnidDhiiiir^ 
JiKt 'Waisnr Al« TJlKiirtgfini 4irj^l . — DJA AlAktrol^vIfinlß Jliiiuixia-.iriii, — \m 

IT. Ute üohlemäiire. 
V, Der üjrean. 

U^f de« WwaH^ra. ■-' Ucr Qztiati ali Umwtlt. 

VI. Die cbemischen Verliiniangen itr 4r«] Elemente. 

fJLfl »reanisc.L« dieuii«, — i>i& WertJl^jfk6i^ ^ Die KotleDwaBaarsUlfj. 
Tcrbi nd ti n^m von Kohl^n^tnfi WusT^tTatofE u id SaiLiraxitT. - - Abiciroor^tllaotc 
TgrSliiüiiiiKtD, — Die GbaratterLslik iit 4rfdiiis<C9läd SubiCinion — UIa 

VII. Di^ B6i>^ii^rii&rabgr. 
VIIL Tjeben und W«ltAl]. 

Pic B^'^utun^ der rLfilUEi^, — Ü^' VitiliEJUiis, 
IX. I^UafiBTTOrt. 



. . " Orn nsl fnoni 

°'ö"^'^' UNIVEFSifvor ;^LirCRNIA 



\<r]AS von J. f]..BER-GM^AN_N i» \ \ iesLaJüti, 



Über den Selbstmord 

idtb^Eü dolore den 

Schüler-Selbstmord- 

Edtr*ee von Dr. Alfred Adler, Prof Dr. S. Freud, Dt. J. K, 
PriR<ljiinE, Ttr. Karl Mnlit.nr, Dr. Ft. Rpit.lpr, Dr. ,J . 

Sftdger, Dr. W. Stobc], Uduö ixuliortim. 

DJsltussiDicn des Wiener pychoinafj'tisclieii Vereins. 

HerMSgegebsn \m dpr A creiasleimp^. 

T. Hnft,. - Fn^lH Hk. 1^. 

Tlie ÄTifKfthftnprTflgfiTiften Frtrfii.ihiingpn Prelidfl iind ^in^r 
Stkiil*r stehen jetzt im Mittetpuulitä dte äffoftHiclKai liitefesBet». 
üieäe klein« Schrift iät nicht nur fUr Arjte hoGblDtcressant. Jeder 
Fädtgog« Soll''^ ^il> It^tSfin, iiTn Mo. miTVhi'^nif-.n 7,v!-\Amvt\9nhSLng(i: 
zv/tBchcn dem Lieber leben der Henschon uad iuicm äcIlieivDr- 
nichtiiugfitrielb IteaD^D sv jemen. Aucli G^ljjld^te jfiden Standea, 
hflADTiflpr.^ Jiirktpn, Spfilünr^nr, Ri^ht^ruäw. weräen g€n'iAJ3 gri\iiAeiJi 
N u tfeD n nd ri t no E rb öd ntn issc aicli t n. Die Kot ni d er Diak Qasio n«n 
verleiht dem kjejnai^ Üati^bea €iiien frlGcb«ii, voi^Hrtädr&ngeu- 
den '/ng, (1*f gewiM vlol in Rninpr Vpi'brRit.ung löit.rj^pTi wird. 



Die Onanie. 



Vleriehit Bellräge zu einer Diskussion der Wiener 
Psychoanalytischen Vereinigung, 

Von 

Dr. B. Dattner. Dr. Faul Federn. Dr.aFe»enc2L Prof- 
Di. Freud. Dr. J o sef KL Friedj ü n j;. Dr. K H i ts* li w *ii n. 
Dit Otto Rankt Dr. Euä. Hei 1 1er. Gas ton Roaenat^in. 
Dr, Haun« äacha. i>r J.Sad^&r Dr. Maximilian ät«iner. 
Er, W, StakaJ. Dr. Viktoi- Taujjk 



Sadismus und Masochismus 

voa Dr. \, Eulen barff} 

Zwgjfca zum Teil umgetirbeiU]!» Auflage. 
Pr«i^ Hfe, ^.SO. 



I-, !• j L. ^fijiiilfj' Original fnonn 



Verlajr von J. F, BERGMANN in WJeflbaden. 

Ober Wesen und Behandlung der 
Schlalfosigkeit. 

lr€i 8eFerat0, erstattet auf Jüifladuig der Leitung 
4«a Devtsohra IEoi£i«8s«a fir hier« ledltla 

E. flflipi, Tut>ui£«n, A. Boldiclialdfif, üerJin 
und E. FaiUt, Wurslourg. 

Inhalt: 
Oaupp, Über Wesen urd Sthandlun» i«r Etchiaflofligkeib. 
OMldHvih«J<ier, CUsr Wesen uud tieli liriilluüjr i^y Suti Ufl (^»[|(keU. 
Fallet, Chjemie und PhämiAlokgje der Schlafmittel. 

Pl>«ls I Mfc. 2^0. 

Der Traum 

ein assoziativer Kurzschlijss. 

\'ön 

Dr. Bans Henniig. 

Prnist Mk. I,8D. 

1. PlsjchoanaJyse und fftvchnlof le "L IJer Traum im Lichte 
der FHjcholoKie. 3^ Nicht Sctreieii-KünBen im Timiijie. *. Njtlt 
Oeheu-KUua«!] im 'XtAX,tatt l>. Fallen. Fliegen und ScliiirebeD. 
€, W4dc4ttfÜLim9. 7. Bas Gefühl im Ttaane. S, Dar Esanj^n^- 
träum. 9. Der spart]] tilijc^Trivm. liX Der lYanminbalt iiSt unan- 
geqebiTi. [1. Der Polliitionstrauin. 12. MijngtruitionatrauiB. 
13. Di« Aua^leichung. 14, Das iJubewi^ie ua<l dei TrAum. 
t5- Oar aenäaiutLV'O Kur^^chhiüS. IC. Scdluätj. 



. . " Orn nsl fno™ 

°'ö"^'^' UNIVEFSlfvor ;,*LirCRNIA 



Verlag vfln J. T. BEBÖMANN in Witebaden. 



Qrenzfragen des Hetven- und Seelenlebens. 

1iftniiiRgfigph«ii vrn 

Eofrnt Dr, L. Laeireofeld in ]tiaticfaen. 



77. Krblitttßit miil Entlmng ' Vof'D^'^'liL ^BÜr^S^'Tn 
Tj. Hnaä: nivl Nerven. 11 Baa nnsitattsehe MM. 
79. Itifl kniukliBri^^ VillpiisNrliivJlclift u. ihre ^rifchfiiiiingK- 

fufniRn P'i^s psychoii-atlt olcgis-:;]:« Studie Ton Dr. Aarl 

^ kr Psveh^tlode nuä Fnpliopithalogle im UtUm. 

Von Dr. O.liLDrldi^cn^ Priratdozest in Bas^), H~ iM 

81. Heftor iSerÜM» ^'»^ pAtho^f,phiarl.t Sluaie. Vou Dr. 
fitift- FeiH i n FrAait fiirt a. M. Ml.— 

ea. tber diePsyciiolftgicdftrEircräiieht. ^ySi^il^M'^f- 

^. rs]fGhiatn»ek'^«Dealo^isek llDt^rmlimg d«r Abstau- 
mniig KUnig Lmlffifrä II und 01t«a l von BaTfira. 

Vos Prof Dr. TV, l^trokiaflrer In T*Da ^L^^ 

at. Das Problem de» Selilafes. ^X*^^'*' ^"** ''^'^w**;^ 
85. SeMilität und Oirfetiniir. Y""" ?'- ö- Hi^rich&^n, Privat- 

dozeiit la Bas«!, M, 2.60 

^ """Ui'U^nw". Kenlitit, Von Privatdöaait Er. Kurt 
(toldBtefb m KOoigsbcrg. lt. i.— 



" \ uu l'rur, Dr. K. JleliI>r*JUiiiiet in L treytt. 



II. 1.6Q 



88. Die IntelleUnttÜcn und die teelkeliaft. JJ" ^^^'^^ ^^^"^ 

li6^AbLta- FuniLlieii, Von Df. H. Enrätla, Bonit H- ^.^ 

e&. Btwd^stseiii und psi'ehisöbraft«s«heheir. ^^tr^)'^!'*"**'""* 

'^ ' des TJuti;im?fUHst- 



Origina from 

UNIVLRilTYOFttUFORNIA 



Varbif von J. V. BEECMAN^T in Wi««bad&ii. 



Sienzhoscn des neruen- und Seelenlehens. 



SO. DasFath&log^BfhölwiOttfllödwig. i,'^t^;i^J"**J^f*^i' 

TuLtfunHiüku OLLl) Ludnrjgit. U, '2.40 

" »""cap" "?• Hang Irpimnrit m EeHm.Fnedeaan, M, lÄ^ 



92. DerLtbeösproz^ss der Serveatleflieiitä, ^^'ip^[^^^^™''' 



i)3- lie KedentuDg kr PsyehoanalT^e für die lj»'ii«ttä- 

in Wien. M. o.hO 

^J Düä Y«r1»r««bertuiii im litlU hr objekliven hycli»- 

lilGlftp ^^^ ^^^^ ^^- ^" ^' öechtftrew. St, Peterabare. 

»5. iiberPutjertätaidPftjeliopatliie. ii;'i>S'Ku?«?b«^r 

in GottineeT). M. IjSü 



f^e- fii^r EiDfiUHK V411 Klinaf WfU«r unil lilireäzeit aiF das 

fierfCn- und SSeleulftkll ^^ pbysioJogisc^er HrundlR^e 

diirgeBtcIJt V OKI Dr, med.ei' phu. 

"• ««8f»» »'«1 ^pm^ fL^^hZ'LtS^i'^S. 

Frandw GuUiinl ao^wie drei l'eMtilbiliJuiiK-iP. \uaS»n.-Kat 
T\r. Yt, Turner in Wi<?j;h(idfin, M. 2ÄII 



liö- Über kraiikit« Idßf«. ,p=i* l«"ri«etoftu Abhandlung, 

JD Wien. M, l.tiU. 



iiHL tber dm Satiflnakharatfer der iranjos^n "/^^ "l^^'t" 

rrnTikhflif.f? 
Aiiswiicta* ia ilum Eesie-hungeii zum WeStkrleg. Von 

Hofrat Cr. L. IjOeir^nfeld in MüncheE. 51, J — 



. . " Orn nsl fno™ 

°'ö"^'^' UNIVEFSlfvor ;^LirCRNIA 



1( \"' 






Verleg von J, r, BEHOilAKN In WifäbA^en, 



Über den 

NatioDal-Cbarakter der Franzosen 
nnd dessen brankbafte inswdclise 

(Die Fsjehotiathla ^allica) 

in ihren Beziehungen zum Weltkrieg. 

Ton 

H<jfrul Dn L. Loevra^Aild in MUnubi^u, 

Prsi» Mk, 1—, 



Nerven- und Geisteskrankheiten 

: : im Felde und im Lazarett. : : 

Von 

Leitender kr/X der FriTiitklinik Höhe-Mark i. T. bei Fi-sniDiTt ft. rf. 
Zurzeit C]i4l'at2i i3m lt«aei?vg-LhS)ireUii OL>'»rim«l im Thii^iih. 

Fruk Mk. /.— . 



Ober den Traum. 

PrQf, Dr. Sigm. frcud in Wi*n, 
_gweit3 Ai flagg. — Freia .tffr, IM. 



Die kleittä inbAltareklie Afb*it ist jtkt in iTtitcr, modorn 
«rganztcr Auflage «i^dik^ncn Sl« bietet siaa «ucl dem Ificlit- 
jiflyr}inlftg*n Ipirht fASftlir.Vift TlarstelTing Hrt [lr)]ii[lnTohl?in*i dsr 
wigacDschuftlicheD Traiimdeu^uDg, die von Fr^i:^ inou- 
^ur'sKTi, wurnlc, erörtert sie kd einfach^D Peispielen und gewillu-l, 
Aushlicki^ auf Ale. Beile ntung der Wissfioschnft.«» vom Tmnnie 
für Ncaroa'Olügi'C, Fsjckiatrin, Mvth'ftlagic iiad Psycliclogic. 

Jeder Gebildete aolJue den ^Videistaad Uberwindcii, der iln 
AbhLic, din TmiimF df>r Fl4>nr1ih]ii^ und TTnt.firAiirhung zu Tirtirdigen 
und dioss Schrift leäea. . , . Witnei' kUniicht RitiuisthaH, 



I-, !• j L. ^fijiiilfj' Original fnonn 



Vftiia^ vuu J. F. BERGMAN N IE WiMbadcn . 

Das Geheimnis 
der menschlichen Sprache. 

Von 

Dr. med. et phil. Niessl v. Mayendorf, 

Frei» Mk, J?.— . 
YerC Jätebi s«iiia auT der XatorronchAirtruiuiiliDs in VTieo fDri^tra^flou 

tltc^Lctt Buf di« acneindiD^s sd Msrlit gabrnchtm nqi mit ß]tpbH4 befaktpbabHl 

D::tMiArfufalga au HAUitiAHea (Ktbarr. fr«rd4 u. {^i). £r meint, da« Gtbelmiit- 

VC»]]« AiHitt V.ltangtatlii.a.ft ui nicit VUodf^rbir^r tll ^Ak- FrMArlh Jnr ninnurhllr^M 
Sprach«, Eier wie iä4jrt fiftbe d^r di^Tfli K « D«4 C trA t f IQ TOft 

F iiAlcticiiiBQ in flJtiDr Eemiiptta-r'B fmlcbta tiobiaU'rtd derÜbUDf 
i'i« eiileueliteadatfl Brhlflrutir. Vttf. TtrlK9»t \a ili^ein Au^t^« durchaus aiahk 
di^ Qr«ai«n der WU<4PKbafllichk«:i ; nr ^ibl Efi^iu^uia^ci Uäd Bft^rlllDdaii^u, 
TiTD,«|d(t at>flr tvpnlarliitntDf. Er ist hntrAbt, bqt i'^l^At^fftiiiilenütNiaet 

tu bjribt«ii, nicht aber BtikAnntea zu ^iixferbdlfia oder ncn li kkiden. Doch nun 
]*** «*lb4r, Anntom. Anseiger ^ 

Zum gegenwärtigen Stand 
der Erkenntnistheorie, 

(Zugleich Versuch Gin&i Einteiiang der ErkeDnüii^^theonan.) 
Oeh. Rat Prof. Dr. Theodor Ziehen. 

Pr4ii üh. SM. 

Aut «luL üelir hijiEerLeiid« Art iiucbt hier der Verf, den Ytr^at-ki. auf dam 
Wegs nia Jog^iatlitr AuiI/h «in« UbQTiictt Lbei dl« TerBcliadtnAD Erteantiüs- 

theori^a m t^btm und ihTun Wart rmp. ':h'n TnLg'i^Ait«! Lirld LctitttJD^f&llif l^äjt 
(«IflKinKBdftr kbzuirl^E], DL« Ic-lanub« kl«r6 Dlir3t>eU.UD^weis4 da« VoTrasaeis 

nuAJit {k« Jj«lt [«tir gwfgaet, um «li £iifDhrugf in di« ffii;:]nii^1.ea GfOnarAfeD 
der RrtfüintnitthünriA und mr OrientLeciiD^ £ber lie DII^liiililleLt«!], MJe iai3 lÜB' 
MigTQi'»K kuiiii m di»ii«a, luBlioBiiiLd^ra wir4 tiibii«]i4rn d^r üiwcD Fr>g«n, Mfhae 
remitnad, daKb dicsjE IiB7st4ll<wg 41är Knt^icHelun^ «rlc«DntnL»'li(iQret1i9«liai FiDblcoi; 
refetMlt unl intevesBiert irerJ^n; itnk wird si« aHch lern Phtlt^phen duKb diiS 
AingHogoa und t«.ii~«i4itefl Aaii«?k>iii^tii udiI Zitate ^«-tiroll tsa, 

Naturii! iistnschaffL Woch ensch rifL 



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Original fpom , 

LNIVLRSifv'ÜFCÄUFÜRMIA 



Verlag van J. F. B E H G M A K N f H WtflllHldea. 



Ober das 

Eheliche Glück 

Erfähnmgeii, Reflexionen tind Ratschläge 
eines Antes. 

Höfrat Dr. 1- Loeireufeld; Mthichen. 

iVeii /fäbuttAtm Mit. 5.^. 



. . . Weitvol] isl fji« scUuu irrwilint« ElniisUillLiuj; der t^eltcken 
Glückatiedlngijngen, dieses scliarfsifhcig^ Aufspüren der QvelLen 
aller jeDer Leidea, die ku EDtfretniluDg uad Zor'wurfnis fciireii 
mUga«n und tAuaendmil f^niirt lial>eii. Ben Maäeea S4li dieses 
Bchvierigste aller Pi«bl<lno d«ut]ick gemiichi i^ctden. Und nun 
f*ig^. die AurtAhlung xmä Etk'&mrtg ftU^f solcb^r raktoten. Dar 
ArKt sprit?^!: UisF als Arzt und ^leiiecli Ub^rliäupt, spricht vou, 
den kürp^ichen Vorsügea, dc^n CJsauEdb'citaveFfaäLtabaaii ätt 
EliuEuittt^, titli'V'iri ^Lmtd, rvrHifjgujiHVfirlililUiJBü«, Ft«ili^Lu;i, ErzJuliuu^, 
sexuetlc-s V:}rlei»en unf3 McLive zur Elif'si;li]if'ö«(ifig beider Gauen;, 
aeht eiugeiieinl die getiisflirii l';i^f'D»chaft«n der }<;tieleute in 
E3*tiacLl; uod vi^met ein Viert^lliuiidert Seiten dtui it^&tbkchi- 
|i4i:1iAn Vfirlcnlir in AptT Vhc. Ahnr 'wftbrAnil pr Ein i]\p i^UifUi^tAn 
Torjtng« d«« elialLC'h«» Lsb«aB Btrtift, toitibit gr do«h nifnialä 
watsh avp vaii «incm cinsigeb Wert ab^tosa^ntj. 8tiu flO^siger, 
klarer Sti] Reitet Ubei alles G^meiDc glatt hinweg, wjf lemtüi 
dareb sein Gl&ä dic^ Nüturlldikeitca des Lebens ale ftvas S«]l)&t- 
venftünjlicliesi erkennen. Der Veriiaaa«r mDcbte ^den Leg^r mit 
ErfakrunKeinjätcrial bekasn: nacben. aus dem sich, die fürdis Gattem- 
wahl und das Eiieleben eTfcrdei'licheii ScklUas« zi^haa Ifiä^n*. Teh 
IllO<!llte dazu ^a^en, man le-^e dia«^« Hiicl) J4 eb^t, 
deatobtBB^r. p Hnmbtt rg :'««% fr O^rrfer^ottiieH/ . ' 

Das Buch, dl» jeder Denkende lesen sollt«, bJrgt eins Falle 
von. SeobacbtuiiRieL uiid Anre^iiDgea und igt wie ein (jijSpiHLdi 
mit einem klugen. g&tJgen alten Ajxta, den man aeJn Herz aoA- 
aeHiÜttet leb wILnscbte, ivtr hfttt«ii »cht vi«le solcher Änt«, 
ufld iüb wUti^bte, wir katb» Kcbl vt«lfr ddtturtig wertvolle volk«- 
illnii)icb-niediziiU4cbr Werke, jP»V ^«^'«»»«part. 



Dntrh TH» Cal fCitUr, 4. m. k O., d Wlcakvtea 



UNIVERSITYQFCALIfQRI^k